Die Ausrufung der Super League hat im europäischen Fußball einen beispiellosen Aufschrei zur Folge. Vor allem in der Fanszene Liverpools herrscht blankes Entsetzen. Fassungslos zeigt sich auch Bill Shanklys Enkel, der nun angedroht hat, die Statue seines Großvaters vor dem Kop entfernen zu lassen.

Durch die Teilnahme an Super League hat die FSG die Büchse der Pandora geöffnet, eine regelrechte Protestwelle wurde losgetreten, die nur der Anfang sein soll. Klubboss John W. Henry hat nicht nur treue Fans verraten, sondern auch das Ethos und die Werte des größten Managers der Klubgeschichte: William „Bill“ Shankly.

Das Milliardenprojekt von zwölf europäischen Top-Klubs unter dem Dach der US-Investmentbank JPMorgan trifft auf den erbitterten Widerstand einer kaum für möglich gehaltenen Allianz aus Verbänden, Ligen, Fans und Politik.

Unter ihnen ist auch Chris Carline, der nun fordert, dass die Statue seines Großvaters aus Anfield entfernt wird. Der 39-Jährige leitet heute die Wohltätigkeitsorganisation „Shankly Foundation“ und ist Direktor des bekannten Shankly Hotels im Stadtzentrum Liverpools.

„Alles, wofür mein Opa eingestanden hat, wurde mit nur einer Ankündigung zerstört“, zeigt sich Carline im Interview mit dem Echo schockiert. „Mir ist bewusst, dass mein Opa aktuell mehr denn je zitiert wird, und das völlig zu Recht. Was aktuell vor sich geht, können wir nicht dulden. Der Verein hat sich sehr weit von seinen Grundprinzipien entfernt. Daher werde ich alles daransetzen, die Statue entfernen zu lassen.“

„Ich bin entsetzt und verlegen. Wenn wir über den Klub, seine Geschichte und Wurzeln sprechen, kann man sich problemlos auf sieben bis neun Zitate meines Opas beziehen, die alle der aktuellen Situation angemessen sind – Sozialismus, Gier und die Heilige Dreifaltigkeit.“

Shankly würde sich im Grab umdrehen

Carline fügte hinzu: „Dabei gibt ist es ein Zitat, dass den Leuten weniger bekannt ist und aus seinem Buch stammt. Er sprach davon, den Verein näher an die Fans und Fans näher an den Verein bringen zu wollen. Das hat er seinerzeit auch erreicht.“

„Es ist keine Untertreibung zu sagen, dass er sich angesichts solcher Entwicklungen im eigenen Grab umdrehen würde, weil der Klub nicht weiter von seinem Pflichtbewusstsein entfernt sein könnte.“

„Aber was am meisten schmerzt, ist die Tatsache, dass Liverpool eine von ihm geschaffene Geschichte und Tradition hat, die Dinge richtig zu machen und nicht einer der sechs englischen Vereine zu sein, die auf diesen Schritt drängen. Dieser Zustand ist inakzeptabel.“

„Er sah es als seine Mission an, den hart arbeitenden Fans am Ende einer sechstägigen Arbeitswoche eine Befreiung zu schenken. Er wollte ihnen Freude als Belohnung für ihre harte Arbeit geben, und das hat er offensichtlich erreicht.“

„Die Worte, die unterhalb der Statue eingraviert sind “er mache die Menschen glücklich‘ könnte nicht passender sein. Aber dieser neue Wettbewerb widerspricht diesem Ethos. Niemand ist glücklich.“

Carline stellte sich im Interview schützend vor Trainer Jürgen Klopp und seine Mannschaft, die nicht für die Situation verantwortlich gemacht werden würden und zu keinem Zeitpunkt in die Entscheidungsprozesse eingebunden wurden. „Die Klub-Eigentümer haben sich offensichtlich heimlich getroffen, um diese Entscheidung gemeinsam zu treffen.“

Er glaubt auch, dass der Abgang des ehemaligen CEO Peter Moore im vergangenen August, ein entscheidender Faktor für jene negative Entwicklung war. „Der Verlust von Peter war eine große Enttäuschung“, erklärte er. „Er traf Entscheidungen im Interesse der Fans. Und wann immer er an einer Entscheidung beteiligt war, verwendete er den Leitspruch: ‚Was hätte wohl Shanks getan?‘.

„Dieser derzeitige CEO (Billy Hogan, Anm. d. Red.) lebt nicht einmal in Liverpool und besucht die Gegend auch nicht. Es ist ihm egal. Aber Fans, die ihr ganzes Leben unserem Klub gewidmet haben, sollen durch Event-Fans ersetzt werden.“

„Aber niemand kann und wird mir etwas wegnehmen. Wir sprechen hier von einer Dynastie. Ich werde dem Verein nicht den Rücken kehren und Spiele boykottieren. Schuld ist der Eigentümer und sein Board, wir alle müssen diese fatale Entscheidung vehement bekämpfen.“