Während Trainerkollegen diplomatisch auf Medienanfragen bezüglich der Super League reagierten, wurde Jürgen Klopp im Vorfeld der Partie zwischen Leeds United und Liverpool (1:1) an der Elland Road deutlich.

„Meine Meinung hat sich nicht geändert“, sagte Klopp bei Sky Sports mit Bezug auf sein kicker-Interview vor zwei Jahren, in dem er sich klar gegen eine Super League positioniert hatte. „Ich habe am Sonntag zum ersten Mal davon gehört. Wir haben ein paar Informationen, nicht viele, das meiste aus den Zeitungen“, sagte der 53-Jährige Übungsleiter. Liverpool zählt zu den 12 Gründungsmitgliedern der neuen möglichen Eliteliga.

„Das Wichtigste im Fußball sind die Fans und das Team. Wir müssen sicherstellen, dass nichts dazwischen kommt“, stellte Klopp klar. „Die Leute sind nicht glücklich darüber, und das kann ich verstehen. Ich kann nicht viel mehr darüber sagen, weil wir – weder die Spieler noch ich – an irgendwelchen Prozessen beteiligt waren. Wir wussten von nichts.“ Klopp fügte weiter an, dass man nun abwarten müsse, „wie sich alles weiterentwickle“.

Außerdem betonte er die sportliche Herausforderung, die mit dem Start der Super League gänzlich wegfallen würde. „Ich bin jetzt 53 und seit ich im Profifußball bin, gibt es die Champions League. Ich hatte immer das Ziel, dort eine Mannschaft zu trainieren“, betonte Klopp, der mit Liverpool 2019 die Königsklasse gewann.

Ich hoffe, diese Super League wird es nie geben. Mit der Art, wie die Champions League jetzt abläuft, hat der Fußball ein ganz tolles Produkt.

Jürgen Klopp im kicker-Interview 2019

„Ich habe offensichtlich kein Problem mit der Champions League, und mir gefällt auch der Wettkampfcharakter im Fußball. Mir gefällt, dass West Ham nächstes Jahr in der Champions League spielen könnte. Natürlich will ich das nicht, weil wir da spielen wollen, aber mir gefällt, dass sie die Chance dazu haben.“

Klopp wollte die Pläne der Super League nicht per se verteufeln, er erinnerte die Medien daran, dass auch für den europäischen Kontinentalverband Geld im Vordergrund steht. Indirekt drückte er damit aus, dass Fußballverbände nicht aus Nächstenliebe handeln.

„Wenn man sagt, den Klubs gehe es nur ums Geld, was glauben Sie, worum es der UEFA geht?“, fragte Klopp in die digitale Medienrunde. Natürlich werde und müsse sich der Fußball verändern, so der Fußball-Lehrer. Aber „normalerweise muss man solche Veränderungen vorbereiten, das braucht Zeit und Überzeugung“.

Fans gehen auf die Barrikaden

„Wir haben heute mit dem Verein Kontakt aufgenommen, um klarzustellen, dass wir alle Banner und Fahnen so schnell wie möglich abnehmen wollen. Wir nehmen unsere Unterstützung ab sofort vom Tisch“, sagte die Fangruppierung Spion Kop 1906 gegenüber The Athletic. Weitere Proteste werden folgen, kündigten zahlreiche Gruppierungen an. Auch wir als Branch werden uns der Protestwelle anschließen.

„Wir haben das Gefühl, dass wir einem Verein, der finanzielle Gier über die Integrität des Spiels stellt, nicht länger unsere Unterstützung geben können. Es ist eine Schande, wir wissen nicht, wie es so weit kommen konnte, ohne dass die Fans konsultiert wurden. Sie haben ihre Seele verkauft“, stellte die Liverpool Supporters Union „Spirit of Shankly“ klar.

Der legendäre Kop wird damit am kommenden Samstag gegen Newcastle United (13.30 Uhr) komplett „nackt“ sein. Es ist ein kleines Zeichen des Protests, der nun ins Rollen kommt.