Es ist wohl wieder einmal eines der berühmten Wunder von Anfield nötig, um den Aufstieg ins Semifinale doch noch zu schaffen. Im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gastiert der Rekordsieger Real Madrid in Liverpool und die Reds müssen einen 1:3 Rückstand aufholen (21:00 live auf DAZN als Einzelspiel und auf Sky in der Konferenz). Nicht unmöglich, aber sehr wahrscheinlich ist es gegen so eine erfahrene Turniermannschaft und ohne Fans im Rücken allerdings nicht.

Durch den teils desolaten Auftritt im Hinspiel im Estadio Alfredo Di Stéfano haben sich die Reds die Suppe selbst eingebrockt, nun müssen die Klopp-Mannen diese auch selbst wieder auslöffeln, sofern man das Halbfinal-Ticket buchen möchte. Ex-Liverpool-Coach Rafael Benítez forderte im Vorfeld der Partie mehr Aggressivität seines Herzensklubs: „In Anfield muss Liverpool aggressiver auftreten und mit einer viel höheren Intensität agieren als noch in Madrid.“

Real überzeugte auch im Clásico

Wie bereits vorige Woche glückte auch diesmal bei beiden Teams die Generalprobe für die Königsklasse. Beide Mannschaften konnten ihr Ligaspiel am Wochenende knapp mit 2:1 gewinnen. Die Reds überzeugten hierbei über weite Strecken gegen Aston Villa, gerieten aber wie so oft durch eine Unachtsamkeit in Rückstand. Mit einem Kraftakt konnte Liverpool dieses Heimspiel schlussendlich quasi mit Schlusspfiff aber doch noch für sich entscheiden. Vielleicht ein gutes Omen.

Real legte gegen Barcelona wiederum eine bombenstarkte erste Halbzeit hin und spielte Barcelona, ähnlich wie Liverpool am Dienstag zuvor, phasenweise an die Wand. In Halbzeit schalteten die Madrilenen wiederum einen Ganz zurück, wodurch die Partie am Ende noch knapp wurde. Die Latte rettete Real gerade noch so vor einem späten Ausgleich. Durch diesen Sieg wird das Meisterschaftsrennen in La Liga heuer extrem spannend.

Reds müssen Kroos und Modrić in den Griff kriegen

Vor einer Woche haben wir an dieser Stelle vom wichtigen Duell der beiden Mittelfeldreihen gesprochen und dass der Sieger des Spiels in diesem Duell entschieden werden würde. Ganz Recht hatten wir damit allerdings nicht, Real gewann zwar das Duell um das Mittelfeld, den Sieg brachten den Madrilenen allerdings die Abwehrfehler Liverpools.

Die Routiniers Luka Modrić und Toni Kroos hatten, mit Unterstützung von Trainerfuchs Zinedine Zidane, die Schwachstelle Liverpools natürlich längst ausgemacht: Nämlich weite Bälle in den freien Raum hinter Alexander-Arnold auf den schnellen Vinicius Júnior. Auch in Anfield wird der Spielplan Reals nicht viel anders aussehen, die effektivste Möglichkeit dies zu unterbinden, wäre allerdings Kroos diese Bälle gar nicht erst spielen zu lassen.

Dass die Aufstellung Keitas ein Flop war, ist Klopp während der ersten Halbzeit schon aufgefallen. Fehler passieren, der Zeitpunkt war aber natürlich äußerst unglücklich gewählt. Ein Champions-League-Viertelfinale ist der falsche Zeitpunkt, um neue Personalkombinationen auszuprobieren.

Eine Möglichkeit um das Mittelfeld besser in den Griff zu bekommen wäre, wie in der zweiten Halbzeit dann, Bobby Firmino im Sturmzentrum aufzustellen, der mit seinem berühmten Pressing Kroos unter Druck setzt. Am Stellungsspiel von Alexander-Arnold und Phillips wird sich in den letzten 7 Tagen vermutlich nicht viel geändert haben, auch Vinicius wird kaum langsamer geworden sein. Dementsprechend bleibt als Lösung nur, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen: Kroos‘ lange Bälle unterbinden!

Team News

Personaltechnisch hat sich bei den Reds seit dem Hinspiel Gott sei Dank nichts getan, es bleibt diesmal spannend, wie Klopp sein Team auf- bzw. ein-stellen wird. Der Keita-Fauxpas vom Hinspiel wurde bereits thematisiert, das wird ihm bestimmt nicht noch einmal passieren. Eine Möglichkeit wäre Bobby im bewährten 4-3-3 zu bringen oder die unkonventionelle 4-2-3-1 Variante wie am Ende der Partie gegen Arsenal. Um das Mittelfeld besser kontrollieren zu können, wäre Letzteres eventuell effizienter.

Klopp ließ sich natürlich vor dem Spiel nicht in die Karten blicken und war voll des Lobes für den Gegner, betonte allerdings auch, dass die Reds selbst im Hinspiel hinter ihren Möglichkeiten geblieben sind: „Wenn man 3:1 verloren hat, sieht es so aus, als wäre man bereits ausgeschieden. Das bedeutet, dass man nicht viel zu verlieren hat“, sagte der 53-Jährige.

„Lassen Sie es mich so sagen. Wir werden es versuchen, ich denke, das ist der Job, den wir machen müssen, und genau so werden wir es machen. Es ist ein Ergebnis des Auftritts im Hinspiel – Real war besser als wir, wir waren nicht so gut, wie wir hätten sein können oder sollen. Aber es ist erste die erste Hälfte des Duells.“

Bei Real wütete der Verletzungsteufel leider weiter, Lucas Vázquez zog sich im Clasico gegen Barcelona eine Knieverletzung zu und wir daher wie auch Sergio Ramos, Eden Hazard, Raphaël Varane und Daniel Carvajal nicht zum Einsatz kommen. Ein Fragezeichen bleibt hinter Federico Valverde, der mit der Mannschaft nach England mitgeflogen ist.

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