Liverpool benötigt nur noch zwei Siege, um sich erstmals seit 1990 wieder Landesmeister nennen zu dürfen und der erste Premier-League-Titel überhaupt (Einführung 1992).

Durch die gestrige Niederlange Manchester Citys beim Stadtrivalen Manchester United (2:0) hat der Kampf um die Meisterschaft nochmals an Spannung verloren und gleichzeitig die Chancen auf eine sehr frühe Meisterschaft der Reds erhöht. Den englischen Spitzenreiter trennen nur noch zwei Siege, um das Starensemble von Pep Guardiaola als Fußballmeister abzulösen.

Sollten beide Teams die kommenden zwei Spiele (30./31. Spieltag) gewinnen, könnte Liverpool am 21. März 2020 im Heimspiel gegen Crystal Palace die erste Meisterschaft seit 30 Jahren feiern. Doch sollte City auch im Nachholspiel gegen Arsenal Punkte liegen lassen, könnte der Champions-League-Sieger ausgerechnet im Merseyside Derby bei Everton den Titel bereits klarmachen. Aktuell haben die „Sky Blues“ 25 Punkte Rückstand auf Liverpool.

Man muss schon ein Genie sein, um sich alle Rekorde zu merken, die Jürgen Klopp mit seiner Mannschaft in der Spielzeit 2019/20 aufgestellt sowie gebrochen hat. Auch der geglaubte „All-Time-Record“ von Trainer-Legende Bill Shankly mit 22. Heimsiegen aus dem Jahr 1972 fiel. Der 2:1-Triumph über Bournemouth am vergangenen Wochenende machte es möglich.

Doch Vergleiche mit der ultimativen Liverpool-Legende möchte Klopp keine hören: „Ich werde mich nie selbst mit ihm vergleichen“, betonte der 52-Jährige auf der Pressekonferenz. „Es es natürlich schon, es ist etwas Spezielles. Aber das Spiel gegen Bournemouth hat auch gezeigt, dass wir weiterhin hart kämpfen müssen, um erfolgreich zu sein.“

Zwischen Isolation und Panikmache

Der Titel ist nur noch Formsache, daher gehören Rekorde und allen voran die heiß ersehnte Meisterschaft gefeiert. Doch wird es überhaupt eine weitere geschichtsträchtige „Victory Parade“ durch die Straßen Liverpools geben? Zeigt das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 als Spielverderber?

Das öffentliche Leben in Norditalien steht still, der Norden bzw. die Lombardei wurde abgeriegelt. Die Regierung verhängte am Sonntag ein Ein- und Ausreiseverbot, darunter auch für Städte wie Mailand und Venedig. Damit sind 16 Millionen Menschen von der Außenwelt isoliert. Auch die italienische Serie A ist davon betroffen, die bis auf weiteres unterbrochen ist.

Die schweizerische Fußballliga stellte den Spielbetrieb bis auf weiteres gänzlich ein. Für den gesamten Monat März wurden alle Spiele der 1. und 2. Liga abgesagt. Das haben die 20 Klubs der Swiss Football League gemeinsam entschieden. Das geltende öffentliche Veranstaltungsverbot des Schweizer Bundesrates gilt derzeit bis 15. März.

Champions League ohne Zuschauer

In Deutschland fordern bereits Ministerpräsidenten sowie Gesundheitsminister Jens Spahn Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Bundesligaspiele waren bisher nicht davon betroffen – wenngleich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann inzwischen Spiele vor leeren Rängen fordert. Hingegen hat es nun erstmals die UEFA Champions League erwischt, das Achtelfinal-Rückspiel zwischen Paris St. Germain und Borussia Dortmund im Parc des Princes wird ohne Zuschauer ausgetragen. Das Europa-League-Rückspiel zwischen dem FC Basel und Eintracht Frankfurt wurde offiziell abgesagt.

Droht dem Spielbetrieb der Premier League ein ähnliches Szenario? Derzeit spricht nichts dafür. Lediglich das obligatorische Händeschütteln zwischen Spielern und Trainern vor Spielbeginn wurde in der höchsten Spielklasse Englands unterbunden. Auch Kultursekretär Oliver Dowden sagte im heutigen Radiointerview auf BBC Radio 5 Live, dass es derzeit keine Anhaltspunkte gibt, um Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben.

In Großbritannien wurden bisher 273 Corona-Infektionen gemeldet, 18 Patienten sind inzwischen wieder gesund. Zur Erinnerung: Großbritannien hat mehr als 66 Millionen Einwohner. Und laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in China die Genesungsrate mittlerweile höher als die Neuansteckungsrate.

Ob die Panik berechtigt ist? Dass können nur Experten beantworten. Wachsam sollte natürlich jeder sein, aber Hamsterkäufe jeglicher Güter sind ebenso eine Gefahr für unsere Zivilgesellschaft.

„Trage Baseballkappe und bin schlecht rasiert“

Jürgen Klopp wollte sich an dieser Diskussion jedenfalls nicht beteiligen. „Die Meinung eines Fußballtrainers ist bei ernsten Themen nicht wichtig“, sagte der deutsche Übungsleiter genervt. „Bekannte Leute ohne Fachwissen wie ich sollten nicht darüber sprechen. Politik oder Coronavirus, warum ich? Ich trage lediglich eine Baseballkappe und bin schlecht rasiert.“

Aber wahrscheinlich wäre die frühzeitige Meisterschaft und die daraus resultierende Parade wünschenswert, um der europaweiten Panikmache einen Riegel vorzuschieben. Denn wie schnell das alles kippen kann, zeigt das Extrembeispiel in Italien. Dennoch sei gesagt, dass sich Scouser nicht gerne bevormunden lassen.

Der Klub hat bisher keine Informationen über eine mögliche Meisterfeier geteilt. Bestehende Termine und Routen beruhen nur auf Spekulationen. Jedoch hat man klubintern proaktive Maßnahmen ergriffen, so dürfen Mitarbeiter in keine der Hochrisikoländer mehr reisen. Auch das „Liverbird“-Maskottchen wurde vom Rasen abberufen.

Zudem wurden die Hygienevorschriften in Melwood und Kirkby verstärkt. Darüberhinaus wurden in allen Sanitäranlagen des Stadions an der Anfield Road Händedesinfektionsmittel installiert sowie Informationsplakate angebracht.

„Wir werden weiterhin die besten Ratschläge der zuständigen Behörden einholen und unsere Fans über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden halten“, hieß es in einer Aussendung vor vier Tagen.