Krone aufrichten und weitermachen? Exakt. Nach der überraschenden, aber verdienten 3:0-Niederlage in Watford, ist Liverpool im FA Cup gegen Chelsea um Schadensbegrenzung bemüht.

Ja, worauf die Sportwelt – allen voran Arsenal – gehofft hat, ist nun passiert. Auch wenn Liverpool sich die letzten Wochen alles andere als in Überform befindet, haben nur die wenigsten eine Niederlage an der Vicarage Road erwartet. Doch die Schlappe kommt zur richtigen Zeit, um wieder an die sportliche Spitzenleistung anzuknüpfen.

Seit der sogenannten „Winterpause“ ist das Team nicht mehr wiederzukennen. Keine Gefahr mehr vor dem Tor, fehlende Kreativität, Passstafetten oder Spielintelligenz. Man könnte meinen, der englische Spitzenreiter würde gegen den Abstieg spielen. Die „Watschn“ am Wochenende war nötig, um sich wieder aufs Wesentliche zu fokussieren.

Die Reds sind nur noch vier Siege vor der ersten Meisterschaft seit 1990 entfernt – der erste Premier-League-Titel überhaupt. Liverpool und den Zweitplatzierten Manchester City trennen aktuell 22 Zähler, doch durch den komfortablen Vorsprung können sich schlechte Gewohnheiten einschleichen, so wie am vergangenen Wochenende.

An der Stamford Bridge wird man weder Neil Critchley finden, noch alle seiner ehemaligen U23-Spieler. Jene „Young Guns“, die im Wiederholungssieg in der vierten Runde über Shrewsbury mit 1:0 triumphierten. Der 41-Jährige Critchley hat gestern den Wechsel zum Drittligisten Blackpool FC bekannt gegeben. Critchley hat damit bewiesen, dass ein Weg vom Jugendtrainer ins Profigeschäft möglich ist, was Klopp als „wirklich schön“ bezeichnete.

Daher wurde das Zepter wieder an Cheftrainer Jürgen Klopp übergeben. Wie wird der deutsche Übungsleiter auf die erste Liganiederlage seit 422 Tagen reagieren? Wird der Pokal wieder zu einer ernsten Angelegenheit? Welche Mannschaft schickt der 52-Jährige gegen Chelsea ins Rennen, um zumindest das theoretische Triple – bestehend aus Liga, Pokal und Champions League – aufrechtzuerhalten? Außerdem auch, eine perfekte Gelegenheit, um alle Kritiker verstummen zu lassen. Eine weitere Niederlage in der Champions League gegen Atlético Madrid regten erste leise Zweifel.

Klopp schützt Lovren

Jene Kritiker, die auch bei der gestrigen Pressekonferenz in Melwood für Verwirrung bei Klopp sorgten. Nach der Niederlage gegen die „Hornets“ wurde Dejan Lovren schnell als Sündenbock auserkoren, sehr zum missfallen des Kultrainers.

„Wenn jetzt irgendjemand Dejan die Schuld an der Niederlage gibt, kann ich diesen Leuten nicht helfen“, schüttelte Klopp nur noch mit dem Kopf. „In meinem Leben spreche ich oft mit Leuten, die weniger Ahnung von Fußball haben als ich. Aber da ich ein gut bezahlter Premier-League-Trainer bin, sollte ich auch ein bisschen mehr über Fußball wissen als die meisten Leute. Aber auf diesem Niveau kann ich einfach nicht diskutieren.“

Hintergrund: Watfords Troy Deeney hatte in einem Post-Interview erklärt, Abwehrchef Virgil van Dijk absichtlich aus dem Weg gegangen zu sein, um sich mit dem schwächeren Innenverteidiger zu messen.

Wer war schon Normalform?

„Virgil van Dijk ist Extraklasse, er zählt zu den fünf besten Verteidigern der Welt und es ist schwer, an ihm vorbeizukommen. Deswegen muss man sich den schwächeren der beiden Innenverteidiger vornehmen, ohne nun gegenüber Lovren respektlos werden zu wollen.“ Damit war die Schwachstelle gefunden worden zu sein, aber nicht für Klopp.

„Gegen Deeney würde jeder Innenverteidiger der Welt in bestimmten Situationen Probleme haben“, erklärte der Ex-Dortmunder, das gelte übrigens auch für Gomez. Lovren bestritt erstmals seit dem 7. Dezember 2019 wieder Ligaspiel. „Wie jeder andere auch musst du bei Gesundheit sein, dann fit werden, und dann brauchst du Rhythmus. Den zu kriegen ist das Schwierigste im Profifußball.“

Er fügte hinzu: „Es war nicht unser bester Tag, was die Einstellung betrifft. Wenn ihr mir einen Spieler nennen könnt, der am Sonntag in Normalform gespielt hat, wäre ich sehr überrascht“. Damit schob Klopp den Kritikern einen Riegel vor. Dass er seine Spieler schützt ist richtig und wichtig, doch die sportliche Karriere Lovrens an der Anfield Road dürfte zum Saisonende tatsächlich ein Ende haben. Dafür muss man als Fan kein Hellseher sein. Liverpool gewann den FA Cup zuletzt im Jahr 2006.

Team News

Klopp gab bekannt, dass Joe Gomez und James Milner wieder fit sind, ein enormer Schub für die Mannschaft. Hingegen bleiben Naby Keita, Jordan Henderson und der wechselwillige Xherdan Shaqiri weiterhin nur Gäste am Spielfeldrand

Fehlen wird auch Youngster Harvey Elliott, der mit der U19 nach Lissabon gereist ist, wo Liverpool auf Benfica in der UEFA Youth League trifft. Jedoch hat Klopp bestätigt, dass Ki-Jana Hoever, Neco Williams, Pedro Chirivella sowie Derbyheld Curtis Jones Teil der Mannschaft sind. Neben den Akademiespielern dürften auch Keeper Adrian, Joel Matip, Adam Lallana, Divock Origi und Takumi Minamino von der Rotation profitieren. 

Chelsea-Manager Frank Lampard kündigte im Vorfeld eine starke Startelf an, da man für ein Weiterkommen vor heimischer Kulisse nichts unversucht lassen darf. Erst recht nach der Klatsche gegen den FC Bayern München in der Königsklasse. Außerdem kam man bei Bournemouth am Samstag nicht über ein 2:2-Remis hinaus. Chelsea muss jedoch auf Callum Hudson-Odoi, Christian Pulisic, N’Golo Kanté, Tammy Abraham und Marco van Ginkel verzichten.

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