Zum Abschluss der stressigen Weihnachtszeit müssen sich die Reds am Sonntagabend (17:01 Uhr/ive auf DAZN) in der dritten Runde des FA Cups mit Everton messen. Jürgen Klopp wird wohl wie bereits in der Premier League etwas rotieren sowie den Youngsters rund um Harvey Elliott eine neuerliche Bühne bieten.

Wie bereits im Jahr 2018 heißt der Gegner im FA Cup Everton, ein weiteres Merseyside Derby steht also auf dem Programm. Trotz des dichten Terminkalenders will man ein Spiel gegen den Stadtrivalen natürlich nicht verlieren. Die „Toffees“ befinden sich mit Neo-Coach Carlo Ancelotti im leichten Aufwind und wollen die „Festung Anfield“ stürmen. 

Liverpool in Überform

Bei Liverpool kommt der Fan inzwischen gar nicht mehr hinterher um alle Rekorde aufzuzählen, die gebrochen werden: Meiste erfolgreiche Pässe in einem Premier-League-Spiel, meiste Punkte nach 20 Spieltagen (mit einem Sieg gegen Tottenham wäre man alleiniger Rekordhalter), 18 Heimsiege in Folge, 37 Premier-League-Spiele in Folge ungeschlagen, 28 von den letzten 29 Premier-League-Spielen gewonnen oder seit 365 Tagen unbezwungen. Die Rekordliste könnte man endlos fortführen.

Klopp wird im Pokalwettbewerb die Rotationsmaschine anwerfen und wahrscheinlich den einen oder anderen Nachwuchskicker aufstellen, die bereits im Carabao Cup gegen Aston Villa eine außerordentliche Figur gemacht haben. In den vergangenen Jahren hat der deutsche Erfolgstrainer neben der Premier League auch den FA Cup priorisiert. Angesichts der Tabellensituation wird sich das nicht ändern. 

Klopp poltert gegen Verband und System

Dennoch wird Klopp immer noch vorgeworfen, er würde Pokalwettbewerbe nicht respektieren. „Das ist nicht wahr. Aber mein wichtigster Job ist, die Spieler zu respektieren. Das ist mein allerwichtigster Job“, wehrte sich der 52-Jährige im Vorfeld. Deswegen müsse er mit seinem Trainerteam für das Spiel am Sonntag „vernünftige Entscheidungen treffen.“ Klopp verwies dabei auf Newcastle, die in einem Spiel gleich vier Spieler verletzungsbedingt verloren haben. Etwas was nicht passieren darf, wie Klopp immer wieder betonte.

Zudem haderte der Schwarzwälder auch mit der alten Regelung des FA Cups, die bei einem Remis ein Wiederholungsspiel vorsieht. Für Liverpool eine Vollkatastrophe, da ein mögliches Wiederholungsspiel im Goodison Park genau auf das Wochenende der neu eingeführten „Winterpause“ fallen würde.

„Was auch immer die FA dazu zu sagen hat, es ist unglaublich. Warum gibt es diese Regelung auch 2020 noch?“, fragte Klopp in die Runde und fügte hinzu: „Die Leute tun immer so, als würde man Traditionen töten, wenn man etwas an einem Wettbewerb ändert.“

„Ohne das Geld funktioniert das ganze System nicht, aber ohne die Spieler funktioniert es genauso wenig.“ Dabei hat Klopp auch gleich eine Lösung parat: „Alle Leute und die TV-Anstalten zusammenzubringen und sprechen. Einmal in all den Verhandlungen und dabei an die Spieler zu denken.“

„Trainer und Sportdirektoren waren bisher nicht in Gespräche involviert, was aber zwingend notwendig ist. Dann ist eine Lösung möglich und niemand wird ein Spiel vermissen, zu 100 Prozent. Das klingt für mich gar nicht so kompliziert“, stellte der Ex-Dortmunder klar.

Minamino, Minamino, Minamino

Doch bei allem berechtigen Ärger, gibt es auch erfreuliche Nachrichten an der Anfield Road: Takumi Minamino ist bereit für sein Debüt. Nach der Verletzung von Naby Keita vor dem Spiel gegen Sheffield United trifft es sich sehr gut, dass die japanische Neuverpflichtung erstmals spielberechtigt ist.

Und mit etwas Glück, könnte der Nationalspieler einen ähnlichen Einstand wie Virgil van Dijk feiern. Der Niederlänger markierte bei seinem Debüt im Jänner 2018 den 2:1-Siegtreffer gegen den Lokalrivalen. Auch Stuttgart-Rückkehrer Nathaniel Phillips steht vor seinem Profidebüt. Angesichts der dünnen Personaldecke haben sich beide Vereine auf ein vorzeitiges Ende der Leihe von Innenverteidiger geeinigt.

Everton sucht nach Form

Während Klopp mit der Überlastung hadert sieht die Situation beim Nachbarn gänzlich anders aus. Anspruch und Wirklichkeit könnten nicht weiter auseinander liegen – weder die Sommer-Transfers haben eingeschlagen, noch ist man nur ansatzweise in der Nähe von Champions-League-Plätzen. Alles in allem kann man bisher von einer sehr enttäuschenden Spielzeit 2019/20 sprechen. Auch ein Grund, warum die Klubverantwortlichen die Reißleine zogen und Trainer Marco Silva im vergangenen Dezember wegen Erfolglosigkeit entlassen haben.

Anstoßzeit mit Botschaft

Um mehr auf die Probleme psychischer Gesundheit aufmerksam zu machen, hat sich die englische FA im Rahmen der „Heads Up“-Kampagne eine besondere Aktion ausgedacht. In allen Drittrundenspielen werden die Partien mit einer Minute Verzögerung angepfiffen.

„Wir ermutigen die Fans, während der einminütigen Verzögerung darüber nachzudenken, welchen Einfluss 60 Sekunden auf ihr eigenes Wohlbefinden haben können“, erklärt der englische Fußballverband in ihrer Pressemitteilung. „Die Hoffnung ist, dass die Initiative die Aufmerksamkeit dafür erhöht, wie wichtig es ist, auf psychische Gesundheit zu achten

Team News

Bei der Pressekonferenz in Melwood konnte Klopp noch keine nähere Auskunft zum Ausmaß von Keitas Verletzung geben, da die medizinische Untersuchung noch aussteht und bewertet werden muss. Ansonsten gab es zu Xherdan Shaqiri ein Mini-Update, der laut eigener Aussage im Soll ist, aber am Sonntag nicht spielen wird.

Auch bei den anderen Langzeitverletzten steht ein baldiges Comeback bevor. Fabinho ist immerhin schon ins Lauftraining eingestiegen und macht offenbar gute Fortschritte. Auch Rhian Brewster hat seine Knöchelverletzung auskuriert und wird dem Kader angehören.

„Die Jungs sind wirklich alle in guter Verfassung. Unser einziges Problem ist, dass die Spiele zu schnell vonstatten gehen. Deshalb gibt es keine wirklichen Neuigkeiten und Prognosen. Die meisten von ihnen werden für das Derby nicht verfügbar sein“, so Klopp.

Bei den Gästen steht nahezu der gesamte Kader zur Verfügung. Morgan Schneiderlin hat sich von seiner Wadenverletzung erholt und wäre zu Diensten. Bei Bernard wird der letzte Fitnesstest zeigen, ob er dabei sein kann sowie auch bei Fabian Delph, der einen Schlag aufs Knie abbekommen hatte.

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