Angesichts der Überform Liverpools ist es eigentlich schade, dass das Jahr 2019 endet. Nichtsdestotrotz wollen wir einen Rückblick auf historische zwölf Monate werfen – die nicht gerade optimal begannen, aber dafür gegen Ende immer besser wurden. Dieser Rückblick soll keine vollständige chronologische Aufarbeitung der letzten 365 Tage darstellen, sondern einfach nur versuchen wiederzugeben, was von diesem Traumjahr vermutlich für die meisten von uns in Erinnerung bleiben wird. What a time to be a Red!

Jahresauftakt im Etihad

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Leider müssen wir mit einem Bild beginnen, das wohl vielen noch schmerzlich in Erinnerung ist und auch bleiben wird: Die Reds verloren gleich zu Beginn des Jahres das erste Auswärtsspiel bei Manchester City denkbar knapp um etwa 16 Millimeter. Dass dies die einzige Premier League Niederlage im Jahr 2019 sein würde war damals noch niemandem klar, auch dass City angespornt von diesem Sieg alle Spiele bis zum Saisonende gewinnen würde nicht.

Wäre dieser Schuss reingegangen hätte Liverpool vielleicht eine Rekordsaison mit 100 Punkten und dem heißersehnten Premier League Titel beendet und die „Invicible Season“ von Arsenal egalisiert. Leider kam es anders und City holte sich knapp aber doch mit 98 Punkten den Titel.

Champions League Achtelfinale gegen Bayern

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Was quälten uns die deutschen Medien mit dem „Mythos Anfield“, der „legendären Anfield Road“ und vieles mehr. Wochenlang war es kaum auszuhalten, wie der FC Bayern München dieses Spiel quasi zu ihrem Spiel des Jahrhunderts stilisierte. Nach dem glücklichen und ermauerten 0:0-Unentschieden an der Walton Breck Road, feierte Niko Kovač seine Akteure sowie Javi Martinez.

Der damalige Cheftainer adelte den Spanier für das tolle Vortäuschen einer Verletzung. um Zeit zu schinden. Quintessenz: Then we went to the Allianz and Liverpool scored three! Spätestens nach diesem Sieg (wo der Autor live vor Ort sein durfte) war klar, dass die Reds auch dies Spielzeit wieder zu den Titelkandidaten zählen werden.

Nullnummern gegen United und Everton

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Die Niederlage gegen Manchester City hat Liverpool gefühlt den Titel gekostet. Doch auch die Schwächephase, die Ende Jänner mit dem 1:1 gegen Leicester City (Stichwort: Martin Atkinson) begann und mit Unentschieden gegen die Erzrivalen Manchester United und Everton weiterging, hat auch ihren großen Teil dazu beigetragen. Besonders das Remis im Old Toilet schmerzt bis heute. Trotz Verletungsproblemen auf Seiten des Gegners gelang den Reds kein Tor.

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Ein 3:0-Debakel gegen Barcelona im Camp Nou im Hinspiel sowie ein undankbarer Luis Suárez. Enttäuschung und Wut machten sich breit, aber vielleicht war genau das der Wendepunkt. Vielleicht war Jürgen Klopp der einzige Mensch auf diesem Planenten, der noch an ein Fußballwunder geglaubt hat. Nichts anderers hatte er seinen Jungs vor Anpfiff eingehämmert. Was dann im Rückspiel an der Anfield Road passierte, ist in Worten kaum zu fassen. Deswegen versuche ich es gar nicht erst. Ekstase, einfach nur Ekstase. Das Karma schlug eiskalt zurück: Suárez und Philippe Coutinho flogen weinend in die katalanische Hauptstadt zurück.

We won it in Madrid!

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Was zuhause gegen Paris St. Germain begann, endete an diesem historischen 1. Juni 2019 im Estadio Wanda Metropolitano! All der Schmerz aus der knapp verpassten Meisterschaft, dem traumatischen Finale im Jahr davor, alles machte plötzlich einen Sinn und kulminierte in diesem lockeren 2:0 Sieg gegen Tottenham Hotspur. Der Phoenix erhob sich aus der Asche und strahlt nun schöner als je zuvor! Die Bilder der Parade vor versammelter Stadt mit einem sturzbetrunkenen Cheftrainer Jürgen Klopp und Alisson Becker werden uns für immer in Erinnerung bleiben. Let’s talk about six, baby!

Das war Klopps erster Streich, der zweite folgt sogleich!

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Was mussten sich Fans und vor allem Klopp alles anhören. Ein Trainer, der keine Finalspiele gewinnen kann, Fans die zwischen Anspruch und Wirklichkeit nicht unterscheiden können. Und ohnehin sei Liverpool kein Top-Team, solange man keine Meisterschaft vorweisen kann. Ersatztorwart Adrián sprang im UEFA Super Cup für den verletzten Welttorhüter Alisson Becker ein und sicherte heroisch im Elfmeterschießen gegen Chelsea den zweiten Titel in diesem Jahr. Die Klopp-Mannen haben nach dem Gewinn der Königsklasse Blut geleckt und wollen nun mehr, viel mehr.

Historischer Start in die Premier-League-Saison

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Auch hier war von den ganzen „Experten“ nur zu hören bzw. zu lesen, wie durch das knappe Verpassen der Meisterschaft die Moral der Mannschaft zerstört sein würde und ein Lauf wie in der Vorsaison unmöglich ist. Doch wie in der Champions League zeigten Klopps Mentalitätsmonster auch in der Liga, dass die Wunden verheilt waren. Wir wollen den verdammten ersten Meistertitel seit 1990.

Und genau mit dieser Attitüde wurde von Beginn an der Spielzeit 2019/20 ein Gegner nach dem anderen bezwungen. Was mit dem Sieg gegen Norwich begann, endete mit einem Sieg gegen Watford und 13 Punkten Vorsprung auf Leicester. Die ganzen Superlative hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, es sei nur gesagt: We’re the best football team in the land, yes we are!

Besonders der Anhang der Erzrivalen verkündeten vor der Saison, dass Liverpool nur durch Schiedsrichterglück mit City an der Tabellenspitze stehen würde. Durch die Einführung des Videobeweises werden die Reds endlich zurück ins Mittelmaß rutschen. Fast forward sechs Monate: Plötzlich ist Liverpool laut Ansicht der Hater nur dank des Videobeweises Tabellenführer. Na was jetzt?!

Champions of the World

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Um das Traumjahr 2019 abzuschließen taten die Reds nochmal das, was sie am liebsten tun: Sie gewannen einen Titel! Nach dem Gewinn der FIFA Klub-WM in Katar dürfen sich die Reds nun offiziell als „Champions of the World“ bezeichnen. Long may it last!