Wie auch schon die letzten zwei Spielzeiten gehört Liverpool zu den 16 besten Mannschaften Europas. Doch wie heißt der Achtelfinalgegner der Reds? Ein Brocken oder ein vermeintlich leichterer Gegner? Der Gegencheck.

Pünktlich zum Mittagessen ab 12.00 Uhr wird in der UEFA-Zentrale in Nyon gelost. Nach vier Siegen und einem Unentschieden setzte sich Liverpool als amtierender Titelträger in der Gruppe E vor SSC Napoli, RB Salzburg und KRC Genk durch. Die einzige Niederlage kassierten die Klopp-Mannen zum Auftakt der Königsklasse gegen die Neapolitaner.

Durch den Gruppensieg vermeidet der englische Spitzenreiter vorerst Schwergewichte wie Paris-Saint Germain, FC Bayern München, Juventus oder FC Barcelona. Doch es könnte gegen Real Madrid, Atletico Madrid, Borussia Dortmund sowie Olympique Lyon oder Atalanta Bergamo gehen.

Real Madrid

Auch wenn Liverpool ein Jahr später den Henkelpott gewann, brennen die meisten Fans auf eine Revanche gegen Real Madrid. Kiew und vor allem Sergio Ramos sind in den Köpfen omnipräsent. Die Madrilenen sind unbestritten der namhafteste mögliche Gegner, doch Angst? Mitnichten. Drei Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage, diese Ausbeute stand bei Real am letzten Spieltag der Gruppe A als Gruppenzweiter zu Buche.

Doch ein Fünf-Punkte-Rückstand auf Paris St. Germain ließ aufhorchen. Auch beim Remis vor heimischer Kulisse gegen Club Brugge waren die Schwächen in der Defensive deutlich erkennbar. Hingegen setzte sich die Mannschaft von Zinedine Zidane gegen Galatasaray in Hin- und Rückspiel durch. In der Meisterschaft läuft es besser: Mit 35 Punkten und dem schlechteren Torverhältnis rangiert man hinter dem FC Barcelona auf Rang zwei. Am Mittwoch kommt es beim El Clásico zwischen beiden Teams zum Kräftemessen.

Atlético Madrid

Die Rojiblancos im Achtelfinale? Muss nicht sein. Sicherlich der unangenehmste Gegner, auch wegen der Härte und dem Spielstil, den Cheftrainer Diego Simone seinen Spielern seit Jahren injiziert. Doch sowohl Juventus als auch Bayer 04 Leverkusen wussten bereits in der Gruppenphase, wie der Gegner zu knacken ist. Zwei Niederlagen, aber auch drei Siege und ein Unentschieden und der daraus resultierende zweite Platz nach Juventus und vor Bayer sowie Lokomotive waren die Ernte in der Gruppe D.

Aber die Reds wissen, wie man wichtige Spiele im Wanda Metropolitano gewinnt. Erst im vergangenen Juni triumphierte man über Tottenham und gewann den sechsten „European Cup“ der Vereinsgeschichte. Liverpool hat damit psychologisch verdammt gute Erinnerungen an das Stadion in der spanischen Hauptstadt, auch wenn die Karten bei einer lautstarken Auswärtskulisse neu gemischt würden.

Borussia Dortmund

Der Dritte im Bunde sind die Schwarzgelben aus dem Ruhrpott – die Ex von Jürgen Klopp. Sportlich ein absolut machbares Los, medientechnisch – nach Salzburg in Vorrunde – das schlimmste Los. Floskeln wie Mythos Anfield, Echte Liebe, Rückkehr ins alte Wohnzimmer oder eine Zeitreise ins Jahr 2016, als das legendäre 4:3 im Europa-League-Viertelfinal-Rückspiel vonstatten ging, stünden auf der Tagesordnung.

Dortmund präsentiert sich in der laufenden Spielzeit schwankend. Vergleichbar mit Fisch und Fleisch – es ist keine klare Linie erkennbar. Erst am letzten Spieltag qualifizierte sich das Team von Lucien Favre für die Knockout-Phase, auch dank der Schützenhilfe des Gruppenersten Barcelona, die in Mailand mit dem B-Team Inter schlugen. Aber 10 Punkte und überschaubare Darbietungen reichten am Ende, um sich gegen die Italiener und Slavia Prag in der Gruppe F durchzusetzen. In der Bundesliga sind die Dortmunder mit 29 Punkten zwar im Soll, gehören aber nicht zwingend zu den Meisterfavoriten.

Olympique Lyon

Nicht mehr das Lyon wie noch vor fast zwei Dekaden mit Jorginho, dennoch gehören die „Les Gones“ zu den Dauergästen in der Champions League. Je zwei Siege, Niederlagen und Remis reichten für einen Aufstieg in einer spannenden Gruppe G. Mit acht Punkten setzte sich der ehemalige französische Serienmeister knapp vor Benfica und Zenit (beide 7 Zähler) durch. Den Gruppensieg sicherte sich RB Leipzig. Die Chance auf ein Weiterkommen – vollkommen egal wie der Gegner heißen wird – ist seit der gestrigen Verletzung von Memphis Depay enorm gesunken.

Der Star der Mannschaft zog sich bei der Niederlage gegen Stade Rennes einen Kreuzbandriss zu und verpasst damit nicht nur die restliche Saison, sondern auch die Europameisterschaft 2020. Lyon wird daher sicherlich auf dem Winter-Transfermarkt zuschlagen, doch ob ein möglicher Neuzugang sofort die Rolle von Depay einnehmen wird? Es darf sehr stark bezweifelt werden. Und dann gibt es auch noch die Fekir-Saga, die beide Mannschaften mehr oder weniger unrühmlich verbindet.

Atalanta Bergamo

Der große Unbekannte im Konzert der Großen. Dennoch zog Atalanta (7 Punkte) im letzten Moment an Shakhtar (6) und Dinamo Zagreb (5) in der Gruppe C als Drittschwächster vorbei. An ein Weiterkommen hat praktisch niemand mehr geglaubt, da Bergamo die ersten drei Gruppenspiele allesamt verlor – nach solch einem Fehlstart hatte zuvor nur Newcastle United im Jahr 2002 noch den Einzug ins Achtelfinale geschafft.

Auch im vierten Spiel kam Atalanta nur zu einem Remis, bevor es eine „beeindruckende“ Aufholjagd startete. Am Ende zogen Manchester City und der Klub aus der Lombardei in die Runde der letzten 16 ein. Nun darf sich der Champions-League-Debütant auf einen namhaften Gegner freuen, die internationalen Spiele werden im Mailänder San Siro austragen. Aber am Ende des Tages mit Lyon sicherlich ein Wunschlos.