Liverpool steht am neunten Spieltag der Premier League (live auf Sky Sport 1 HD/17.30 Uhr) vor einem weiteren Härtetest, wobei das „Gipfeltreffen“ entlang der M62 diese Bezeichnung gar nicht mehr verdient. Die Reds gastieren im maroden Old Trafford beim angeschlagenen Rivalen Manchester United.

Auch wenn es sich um die größte Rivalität des britischen Fußballs handelt, erzeugt das North-West-Derby zwischen Liverpool gegen United bei vielen Fans nicht mehr dieses gewisse Kribbeln wie vielleicht noch vor fünf Jahren. Selbst Virgil van Dijk sagte vor wenigen Tagen, dass alle Spiele in der Champions League wichtiger wären als eine Begegnung gegen Manchester.

Womit der niederländische Abwehrboss nicht unrecht hat. Die Brisanz ist seit dem Rücktritt von Sir Alex Ferguson schlicht und einfach nicht mehr vorhanden. Auf dem Rasen fehlt die Leidenschaft und auf den Rängen die Stimmung. Doch wenn die Reds die Chance haben, den einst so erfolgreichen erbitterten Rivalen endgültig in die Krise zu schießen, dann ist es auch ihre verdammte Pflicht.

Die Ansprüche beider Mannschaften könnten nicht unterschiedlicher sein: Während Liverpool als ungeschlagener Spitzenreiter den ersten Meistertitel seit 1990 anpeilt, steckt United (Platz vierzehn der Tabelle) mitten im Abstiegskampf. 15 Zähler trennen inzwischen Anspruch und Wirklichkeit, trotz Transferausgaben in Höhe von 352 Millionen Euro in den vergangenen Jahren. Für United-Trainer Ole Gunnar Solskjær wird die Luft jedenfalls immer dünner und das Spiel könnte dementsprechend richtungsweisend für den Norweger werden.

Nach der Entlassung von José Mourinho 2018 und der daraus resultierenden Amtsübernahme von Solskjær im vergangenen Dezember war die Mannschaft für einen kurzen Zeitraum nicht wiederzuerkennen: 11 von 13 Spielen konnten die „Red Devils“ gewinnen.

Doch es folgte der kontinuierliche Absturz ins Niemandsland. Ole sollte unabänderlich die Kontrolle über das Steuerbord verlieren – auch spielerisch. Aber wie wir alle wissen, ist ein angeschlagener Boxer am gefährlichsten (zwei Euro ins Phrasenschwein).

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Jürgen Klopp kann endlich wieder aus dem Vollen schöpfen. Alission Becker ist wieder zurück und verleiht – nach seiner erlittenen Wadenverletzung am ersten Spieltag gegen Norwich City im August – der Mannschaft einen enormen mentalen Schub.

Die brasilianische Nummer eins wird voraussichtlich starten, womit die 11-Spiele-Serie von Adrián zu Ende geht. Der Spanier hat nicht nur mit Paraden wichtige Punkte gerettet, sondern auch mit seiner Heldentat den UEFA Super Cup gewonnen. Besser kann man den Job als Ersatzkeeper nicht machen.

Neben Alisson kann das Trainerteam auch auf Joel Matip zurückgreifen, der am vergangenen Freitag sein Arbeitspapier vorzeitig bis 2024 verlängerte. Der Lohn harter Arbeit. Womit sich das Weltklasse-Duo aus Matip und Virgil van Dijk praktisch selbst aufstellt. Hingegen müssen sich Joe Gomez und Dejan Lovren mit der Ersatzbank begnügen. Andy Robertson und Trent Alexander-Arnold verstehen sich von selbst.

Im Zentrum dürfte es mit Fabinho, Jordan Henderson und Gini Wijnaldum keine allzu große Überraschung geben. Letzterer war während der Länderspielpause „on fire“ und erzielte für die Elftal im EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland einen Doppelpack. Außenseiterchancen hat James Milner, den Klopp in „größeren Spielen“ gerne bevorzugt.

Der Dritte im Bunde ist Mohamed Salah, der sich von der Knöchelverletzung laut klubnahen Journalisten vollständig erholt hat und gemeinsam mit Sadio Mané und Roberto Firmino das gefürchtete „Terror-Trio“ bilden wird, um erstmals seit 2014 wieder einen Erfolg in der Fremde zu feiern. Alle drei Akteure warten noch auf einen Treffer im Old Trafford.

United hingegen hat mit schwerwiegenden Ausfällen zu kämpfen: Mit David de Gea, Paul Pogba und Jesse Lingard fallen gleich drei Leistungsträger aus, aber Anthony Martial, Luke Shaw, Aaron Wan-Bissaka sowie Shootingsstar Daniel James dürften nach ihren Verletzungen wieder im Kader stehen.

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