Das größte Derby der Welt hätte für Liverpool nicht größer sein können: Nach dem Gastspiel beim verhassten United aus Manchester würde man mit dem nicht ganz so stark verhassten City aus Manchester nach Spielen wieder gleichziehen. Das Ziel war klar: Nach Punkten sollte Liverpool wieder drei Punkte vorm amtierenden Meister liegen. Tottenham verlor im Titelrennen mit einem 1:2 gegen Burnley zwar schon an Boden, aber das alles zählte an diesem Nachmittag im Old Trafford nicht.

Für Liverpool ging es um wichtige Zähler im Titelrennen, für United darum, den Reds genau das zu vermiesen. Man möchte meinen, dass eben das die Hauptmotivation für Man United in diesem Spiel war, sie deshalb befreiter aufspielen konnten als Liverpool. Aber für den LFC war es auch die Chance, dem neuen MUFC-Coach Ole Gunnar Solskjaer die erste Liganiederlage zuzufügen. Der übernahm ja direkt nach dem Hinspiel an der Anfield Road (3:1 für Liverpool) vom gefeuerten Mourinho und machte den alten Rivalen wieder stark. Seit damals hatte United sogar fünf Punkte mehr geholt als Liverpool.

Überraschung in der Abwehr

Jürgen Klopp konnte in der Abwehr wieder aus mehreren Optionen auswählen, setzte auf Kompaktheit: Alisson im Tor, davor kehrte Virgil van Dijk nach der Champions League-Sperre in die Innenverteidigung neben Joel Matip zurück. Andy Robertson wieder links hinten, rechts überraschte Klopp mit James Milner. Jordan Henderson und Fabinho sollten vor der Viererkette die Löcher stopfen, Georginio Wijnaldum davor. Ganz vorne stürmten wie gewohnt Mohamed Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane.

Bei Manchester United war David De Gea wieder im Tor, Ashley Young, Chris Smalling, Victor Lindelöf und Luke Shaw bildeten die Viererkette. Spontan musste man Matic verletzt vorgeben, der junge Scott McTominay übernahm mit Ander Herrera die Sechs. Der wieder erstarkte Paul Pogba davor neben Juan Mata, Marcus Rashford über rechts und Romelu Lukaku als klassische Solospitze – lange hielt diese Aufstellung aber nicht.

Reds starten aktiver

Die erste Möglichkeit bekam Liverpool im Strafraum des Gegners schon in der ersten Minute serviert. Firmino fing einen Rückpass ab, den De Gea mit der Hand berührte. Den indirekten Freistoß aus rund zehn Metern führten Henderson, Milner und Fabinho aber mangelhaft aus. Ansonsten blieb Liverpool in der Anfangsphase die aktivere Mannschaft, die Gastgeber präsentierten sich überraschend vorsichtig und warteten auf Konter. Schnell nach vorne ging es aber auch immer wieder bei den Reds, die Hereingaben von der Seite sah Manchester aber meist kommen.

Joel Matip sorgte überraschend für die beste Offensivaktion: In der gegnerischen Hälfte packte er ein Dribbling aus, ging an drei Leuten vorbei und konnte knapp vorm Strafraum nur durch ein Foul gestoppt werden. Salah konnte den Freistoß aber nicht aufs Tor von United drücken.

Wenig Offensive

Die ersten Halbzeit war mehr von der Intensität geprägt. Nicht hart oder unfair, aber viele enge Zweikämpfe – die gleich drei „Verletzungsopfer“ forderten. Solskjaer musste Herrera und Mata mit Muskelverletzungen runter nehmen, danach erwischte es auch noch Bobby Firmino, der unglücklich umknöchelte. Ihn ersetzte Daniel Sturridge im Sturmzentrum. Der kam gleich mal mit viel Optimismus ins Spiel und versuchte es aus rund 30 Metern. Null Problem für De Gea, aber der erste Liverpool-Torschuss nach 32 Minuten. Auf der anderen Seite war es Marcus Rashford, dessen abgefälschter Schuss aber auch leichte Beute für Allison war.

Der brasilianische Keeper zeigte in der 40. Minute wohl auch die wichtigste Aktion im Liverpool-Dress: United gelang einer dieser Konter, Lukaku steckte clever auf Lingard durch, der wäre mit einem Haken vorm leeren Tor gestanden. Alisson Becker schnappte ihm den Ball aber mit einer Hand vom Fuß, eine Weltklasseabwehr. Solskjaer verließ bei dieser Aktion komplett das Glück: Lingard verletzte sich dabei auch noch, musste wieder runter und wurde durch Alexis Sanchez ersetzt – noch vor der Pause der dritte Wechsel bei Manchester United.

Keine Ideen

Nach der Pause bekam Liverpool erstmal nichts auf die Reihe: viele Fehlpässe, wenig Antritte nach vorne. Stattdessen kamen immer wieder hohe Bälle, mit denen Manchester umzugehen wusste oder die nicht genau gespielt wurden. United kam dagegen mit viel Schwung aus der Kabine und beschäftigte die LFC-Defensive, die bei Freistößen aber die Abseitsfalle richtig auspackte. In der 75. Minute war das schon richtig knapp, Matip beförderte den Ball ins eigene Tor, aber Smalling hatte im Abseits gestanden.

Die Gastgeber wirkten meist gefährlicher, weil sie selbst auch mehr Räume in der Offensive vorfanden. Salah und Co. taten sich gegen die dichte und tiefe Abwehrkette schwer. So wurde die zweite Halbzeit zum Geduldsspiel, bei dem aber auch die ganze Zeit ein gefährlicher Gegner nur darauf lauerte, selbst den entscheidenden Schlag zu setzen.

Ein Eckball musste her: Gini Wijnaldum köpfelte knapp daneben, die beste Möglichkeit bis hierhin in der zweiten Hälfte. Bei der zweiten Ecke gleich danach wurde es knifflig. McTominay gegen Matip, der United-Spieler zog den Liverpool-Verteidiger doch deutlich mit den Armen – über einen Elfmeter hätte sich im Old Trafford keiner beschweren dürfen.

Punktgewinn oder Punktverlust?

Liverpool darf sich über das 0:0 aber auch nicht beschweren. In der Nachspielzeit hatte United noch die beste Möglichkeit auf ein Tor, als Smalling am Ball vorbeirauschte. Über die gesamte zweite Halbzeit waren die Heimischen dem 1:0 tatsächlich näher. Liverpool fand trotz 64 Prozent Ballbesitz viel zu selten den Weg in den Strafraum. Ohne Ideen, ohne Passgenauigkeit wirst du auch nicht zum Torerfolg kommen. Liverpool kam nur auf einen Torschuss in den 90 Minuten, United auch nur auf drei. Im Vordergrund standen eher die Zweikämpfe.

Gegen ein geschwächtes Manchester United hätte es schon mal mehr sein dürfen, offensiv war das einfach (wieder) zu dürftig. Einen Punkt auswärts gegen ein Topteam in derart guter Form könnte man aber auch als Erfolg werten, was er wirklich wert ist, wissen wir wohl erst am Ende der Saison. Liverpool ist zumindest wieder Tabellenführer, auch wenn wir uns lieber drei Punkte Vorsprung als „nur“ einen gewünscht hätten.

Spielinfos

Tore
Fehlanzeige

Karten
James Milner (24./Gelb)
Ashley Young (81./Gelb)
Xherdan Shaqiri (83./Gelb)
Georginio Wijnaldum (90./Gelb)

Premier League
27. Spieltag

Schiedsrichter
Michael Oliver

Austragungsort
Old Trafford

Manchester United
De Gea – Young, Smalling, Lindelöf, Shaw – Herrera (21. Pereira), McTominay, Pogba – Mata (25. Lingard, 43. Sanchez), Lukaku, Rashford

Ohne Einsatz: Romero, Dalot, Bailly, Fred

Liverpool FC
Alisson – Milner, Van Dijk, Matip, Robertson – Fabinho, Henderson (72. Shaqiri), Wijnaldum – Salah (79. Origi), Firmino (31. Sturridge), Mane

Ohne Einsatz: Mignolet, Alexander-Arnold, Keita, Lallana

Red Fellas Man of the Match:
Georginio Wijnaldum

Nächstes Spiel:
Watford FC (A)
Premier League – 28. Spieltag
27. Februar – 20:45 Uhr