Die UEFA Champions League ist das Nonplusultra.

Kommen wir zum sportlichen Teil: Während Bayern seit drei Jahrzehnten die deutsche Bundesliga dominiert und zuletzt 2013 die Königsklasse gewann, wartet Liverpool noch immer auf den ersten Meistertitel seit 1990. Wird es ein Spiel Gewohnheit gegen Leidenschaft?  

Die UEFA Champions League ist das Nonplusultra. Und auch für uns sind KO-Spiele immer etwas Besonderes. Daher ist es sicher kein Spiel, das unter dem Stichwort Gewohnheit laufen wird. Glaube mir, wenn man diesen Pokal einmal gewonnen hat, will man dieses Gefühl immer wieder erleben.

Der erfahrene und erfolgreichere Trainer heißt Jürgen Klopp. Vor allem auch deshalb, weil Klopp nach sieben Jahren als Dortmund-Coach viele Spiele in der bayrischen Landeshauptstadt hatte. Wie groß ist daher die Gefahr, dass Niko Kovac im Trainerduell „ausgecoacht“ wird? 

Fraglos kann der Trainer den Unterschied ausmachen. Sollte unser Trainergespann einen guten Tag erwischen und einen guten Plan A haben, dann wird man durchaus eine Chance haben. Allerdings zeigte sich in den letzten Wochen auch, dass unser Team Probleme bekommt, wenn der Gegner gut umstellt. Gerade für dieses In-Game-Coaching wird das jetzt die große Bewährungsprobe für Kovac. Stellt Klopp im Laufe des Spiels um oder funktioniert Plan A von uns nicht, so wird es auf ihn ankommen.  

Wo liegen die Schwächen der Bayern? Viele Experten sehen Liverpool angesichts der Offensive aus Salah, Mane und Firmino als leichten Favoriten. Aber auch wegen dem defensiven Spielstil der Bayern. Ist dem wirklich so?

Das trifft es ganz gut. Unsere Abwehr ist aktuell nicht gerade in Hochform. Nachdem nun Boateng ausfällt, stellt sich die Innenverteidigung wohl von selbst auf. Wir werden dort nun höchstwahrscheinlich mit Hummels und Süle spielen. Außen erwarte ich Alaba und Kimmich. Bis auf Süle ist keiner von diesen Vieren nach hinten aktuell in höchstform. Alaba und Kimmich sind auf einem guten Weg, Hummels hingegen spielt eine echt schwache Saison. Und eben das könnte gegen eure Offensive ein Problem werden.  

Im Hinspiel wird Virgil van Dijk gelbgesperrt fehlen, die Chance für die Bayern-Offensive? Immerhin bezeichnete Mats Hummels van Dijk als besten Innenverteidiger der Welt.

Hier schaut es für uns etwas positiver aus. An guten Tagen können Coman, Gnabry, aber aktuell auch Goretzka richtige Waffen sein. Dazu Lewandowski und James. Das sind alles Spieler, die eurer Abwehr Probleme bereiten könnten. Und genau da fällt natürlich der Ausfall von van Dijk ins Gewicht. Die Frage wird sein, wie offensiv wir auftreten und aufs Auswärtstor spielen.

Choreo gegen Real Madrid/Champions League 2014 – Foto: Club Nr. 12

Böse Zungen behaupten, dass sich die Sperre von Thomas Müller positiv auf die Mannschaft auswirken kann. Welchen Status Quo hat das Eigengewächs unter den Fans?

Thomas Müller war jahrelang unumstritten beim FC Bayern. Auf der einen Seite half ihm da sicher, dass er aus der eigenen Jugend kommt, dazu seine doch recht locker wirkende Art. Auf der anderen Seite war die Leistung aber auch sehr oft sehr gut. In letzter Zeit ist ihm das Überraschungsmoment im Spiel etwas abhandengekommen. Eben der Punkt, der seine große Stärke war. Dazu kommt, dass er von Trainer Niko Kovać immer wieder auf dem Flügel eingesetzt wurde, was absolut nicht seine größte Stärke ist.

Dies führte nun dazu, dass Müller wohl in der ersten großen Krise seiner Karriere war und wahrscheinlich immer noch ist. Der Platz hinter den Spitzen, auf dem er idealerweise eingesetzt wird, ist jedoch dadurch umkämpft, dass man mit James einen zweiten Spieler hat, der zu außergewöhnlichen Momenten in der Lage ist. Dies führt dazu, dass er bei einem Teil der Fans umstritten ist. Trotzdem ist Müller an guten Tagen immer noch einer, der den Unterschied machen kann. Da wir aber James in der Hinterhand haben, ist seine Sperre sicher ein kleinerer Verlust, als es wohl früher gewesen wäre.

Bayern ist immer noch im Meisterrennen und in der Königsklasse vertreten. Der Rekordmeister steht sogar im DFB-Viertelfinale. Dennoch brennt für Außenstehende an der Säbener Straße Feuer unterm Dach. Liegt es ausschließlich an Trainer Kovać und gewissen Spieler oder auch am Vorstand? Immerhin galt Bayern mit Präsident Karl Hopfner, Trainer Pep Guardiola und Sportdirektor Matthias Sammer als bester Klub der Welt.

Es ist natürlich immer die Frage, mit wem man redet. Wie schon erwähnt, ist die Außendarstellung nicht ideal. Es wirkt alles etwas wie ein Zurück ins Jahr 2000. Natürlich kommt beim Thema Kovać noch dazu, dass die Trainersuche eher suboptimal war und man nicht den Eindruck hatte, er sei die erste Wahl. Das macht ihn natürlich von außen her angreifbar. Allerdings entzündet sich die Kritik vieler Fans auch an der Kaderzusammenstellung und nicht nur bzw. kaum an Kovac. So wurde dieser nach einiger Kritik von außen von der Kurve auch klar verteidigt.  

Kovać wird angesichts mangelnder Alternativen die Saison wohl überleben. Doch wie will man sich für die kommende Saison aufstellen? Zum Vergleich: Virgil van Dijk, Alex Oxlade-Chamberlain, Fabinho oder auch Naby Keita entschieden sich vor allem wegen Jürgen Klopp für Liverpool. Ob Kovać dem gerecht werden kann?

Tja, eine gute Frage. Kovać hat einen sehr großen Vorteil: Er ist ein Produkt von Hoeneß. Meine persönliche Vermutung ist aber, dass seine Zukunft davon abhängt, wie wir uns gegen euch und im Pokal schlagen. Holen wir keinen Titel und spielen gegen euch schlecht, könnte es eng werden. Eins ist aber auch klar, der nächste Trainer-Transfer muss sitzen. Und da sind wir eben immer noch be einer kleinen Auswahl.

Zum Abschluss: Dein Tipp fürs Achtelfinale?

Ich glaube, das dieses Duell über die Konzentration gewonnen oder verloren wird. Können wir diese aktuell bei uns doch vorhandene Schwäche abstellen, dann haben wir gute Chancen, euch zu besiegen. Schaffen wir das nicht und es schleichen sich wieder Fahrlässigkeiten ein, so dürfte es klar in eure Richtung kippen. Ich würde dir an dieser Stelle viel Glück für Dienstag wünschen, aber das brauchen wir selbst (lacht).