Der Ball ist noch immer rund. Ansonsten hat der heutige professionelle Fußball aber kaum noch etwas mit dem am Hut, den wir aus Kindheitstagen kennen.

Die Mär von den elf Freunden und der schönsten Nebensache der Welt glaubt ohnehin schon lange niemand mehr. Doch die Realität im weltweiten Fußballgeschäft ist weitaus erschreckender. Dafür gibt es Beweise, die dem SPIEGEL vorligen. Unterlagen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Rund 70 Millionen Football-Leaks-Dokumente, die der SPIEGEL erhalten und mit dem Recherchenetzwerk EIC und dem NDR geteilt hat, erzählen von Gier, Lügen und geheimen Hinterzimmer-Deals.

Super League ab 2021?

Ob der Name Liverpool FC in den kommenden Tagen und Wochen im negativen Aspekt auftauchen wird, wird sich noch zeigen. Bisher ist nur bekannt, dass neben den Reds (angeblich) andere 15 Klubs einer möglichen neuen „European Super League“ angehören würden. Zu den weiteren Grüdungsmitglieder zählen FC Bayern München, Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, Chelsea, Arsenal, Manchester City, Paris Saint-Germain, Juventus Turin und der AC Milan.

Als anfängliche Gäste könnten Atlético Madrid, Borussia Dortmund, Olympique Marseille, Inter Mailand und AS Rom fungieren. Im Gespräch ist auch eine zweite Liga, in die nur diese Gäste absteigen könnten. Die Planungen sind laut der ARD-Dokumentation weit forgeschritten.

Seit 2016 wurde an der Super League gebastelt. Michael Gerlinger, Chef-Jurist des FC Bayern München, gleichzeitig Board-Mitglied der Europäischen Klub-Vereinigung (ECA), bestreitet die Treffen im ARD-Interview nicht: „Es gab Gespräche zwischen den größeren Klubs, wie man das gestalten könnte.“ Der Startschuss der neuen Liga könnte 2021/22 fallen, für die Champions League wäre es das Ende.

Klopp gegen das Projekt

Manager Jürgen Klopp will von einer Super League hingegen nichts wissen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem jetzigen Ligabetrieb. Die Super League ist ja eine Idee, die nicht sofort umgesetzt werden würde“, sagte der 51-Jährige am vergangenen Wochenende im Anschluss an das Spitzenspiel gegen Arsenal.

Außerdem konnte sich der deutsche Übungsleiter einen Seitenhieb an den Weltfußballverband FIFA und den europäischen Fußballverband. UEFA nicht verkneifen, weil Klubs bei Planungen der Verbände kaum bis kein Mitspracherecht haben. „Sie setzen Dinge einfach um und fragen uns nicht. Dann merkst du auf einmal: Oh, jetzt haben wir zwanzig zusätzliche Spiele, aber trotzdem nicht mehr Geld“.

Infantino schützte Scheich-Klubs

Laut Dokumenten soll UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino die Ermittler seines eigenen Verbandes hintergangen haben, um sich auf die Seite der Scheich-Klubs Manchester City und Paris Saint-Germain zu schlagen. Beide Vereine werden von autoritären Golfstaaten gesteuert, und um das Financial-Fair-Play (FFP) auszuhebeln, benötigte man Rückendeckung. Diesen fand man offensichtlich ihn Infantino, der vor der Scheich-Übermacht einknickte. Beide Vereine wurde nicht aus der Champions League ausgeschlossen, so wie man es bisher mit kleineren Vereinen getan hat.