Liverpool schreibt weiter Geschichte: Nach einem 3:2-Heimsieg (2:1) über das Starensemble von Paris Saint-Germain bleiben die Klopp-Mannen auch im 6. Spiel ungeschlagen. Der Erfolgstrend setzte sich auch am 1. Spieltag der neuen Champions-League-Saison 2018/19 fort. 

Jürgen Klopp warf nach fünf Premier-League-Runden erstmals eine Mini-Rotationsmaschine an. Im Kasten und in der Abwehr gab es mit Alisson Becker, Andrew Robertson, Virgil van Dijk, Joe Gomez und Trent Alexander-Arnold zwar keine Änderungen, doch im Zentrum überraschte der Cheftrainer.

Mit Jordan Henderson, Gini Wijnaldum und James Milner gab es im Mittelfeld viel Kampf und Leidenschaft, aber wenig Kreativität. Naby Keita blieb nur die Zuschauerrolle. Im Angriff ersetzte Daniel Sturridge den Brasilianer Roberto Firmino, der sich im Spiel gegen Tottenham eine Augenverletzung zuzog. Mohamed Salah und Sadio Mané vervollständigten die Startelf.

Liverpool mit viel Tempo

Die Hausherren legten gleich zu Beginn wie die Feuerwehr los, es ging nur in eine Richtung. Dabei hatten van Dijk (6.) und Milner (8.) gleich zwei Möglichkeiten, doch PSG-Keeper Aréola war beide Male zu Stelle. Nur eine Minute später sollte Alexander-Arnold von halbrechts in den gegnerischen Strafraum einziehen und in den Fünfer flanken. Kimpembe konnte noch klären, hatte aber Glück, kein Eigentor fabriziert zu haben. Anfield war bereit.

Von den Gästen war bis zu diesem Zeitpunkt nichts zu sehen. Erst nach 17 Minuten hatte Paris einen gefährlichen Angriff zu Buche stehen.  Nach einem zentralen Distanzschuss durch Neymar, konnte Alisson die Kugel nur nach vorne prallen lassen und hatte Glück, dass Cavani einem Sekundenschlaf ausgesetzt war.

Sturridge köpft zur Führung

Die Reds hatten das Spiel Fest im Griff und belohnten sich nach 30 Minuten mit dem verdienten Führungstreffer. Nach einen gefühlvollen Hereingabe durch Robertson auf der linken Außenbahn, landete das Leder im Fünfer bei Sturridge, der nur noch den Kopf hinhalten musste: 1:0. Für den Edeljoker war es der 7. Treffer auf internationaler Bühne. Die Pariser-Innenverteidigung blieb sichtlich verwirrt zurück. Ein Mix aus schlechter Absprache, Stellungsfehler und Passivität.

Turbulente erste Halbzeit

Als wäre der Führungstreffer nicht schon genug gewesen, legten die Gastgeber im Anschluss nach. Wijnaldum wirbelte gleich gegen drei Gegenspieler im Sechzehner und wurde letztlich am rechten Fuß von Bernat getroffen. Der Niederländer nahm das Geschenk dankend an – Schiedsrichter Cakir zeigte sofort auf den Punkt. Milner übernahm wie gewohnt Verantwortung und hämmerte das Spielgerät mit einen satten Rechtsschuss ins rechte untere Eck ein. Aréola war chancenlos – 2:0 (36.).

Doch wer glaubt, dass der französische Meister zu diesem Zeitpunkt geschlagen war, irrte. Alles deutete auf eine souveräne 2:0-Pausenführung hin, doch wie aus dem Nichts, kam das Team von Thomas Tuchel zum Anschlusstreffer. Nach einer Flanke von der linken Seite, verfehlte Cavani in Abseitsposition mit einem Fallrückzieher den Ball, der schließlich bei Meunier landete.

Der belgische Nationalspieler zögerte nicht lange und schloss die Aktion mit einem trockenen Distanzschuss vom Elferpunkt ab. Alisson musste seinen dritten Gegentreffer im sechsten Pflichtspiel hinnehmen – nur noch 2:1 (40.). Nach einem intensiven ersten Durchgang ging es für beide Mannschaften in die Kabine. Liverpool führte verdient und spielte die Franzosen regelrecht an die Wand, doch die Klopp-Mannen belohnten sich nicht mit einem weiteren Tor.

3:1? Doch nicht

Was in der ersten Hälfte noch zum guten Ton gehörte, ließ man zu Beginn der zweiten Hälfte vermissen. Angesichts des Spielstands wollte keiner der Protagonisten ein unnötiges Risiko eingehen. Ein übliches Ballgeschiebe in den eigenen Reihen war die Folge. Doch auf Ruhe folgte schnell wieder Hektik. Nach einem weiteren Angriff durch den LFC, setzte Wijnaldum zu einem Schuss an, dieser jedoch prallte an einem Pariser ab und landete bei Sturridge. Dieser wiederum kam einen Tick zu spät und durchkreuzte mit gestreckten Bein die Familienplanung Aréolas.

Salah stocherte die Kugel anschließend ins Netz – doch zu früh gefreut. Während Schieds- und Linienrichter das Tor anerkennen wollten, griff der Torrichter ein, und annullierte zurecht das vermeintliche 3:1 nach 58. Minuten. Es wäre ein irregulärer Treffer gewesen. Die Szene sollte am Spielgeschehen aber nichts ändern. Liverpool blieb seiner leichten Favoritenrolle gerecht und war wieder am Drücker. Das Klopp-Pressing erlebte in Anfield unter Fluchtlicht Hochkonjunktur.

Es folgten Angriffe im Sekundentakt, Sturridge hatte dabei nach einem weiteren Kopfballversuch die größte Möglichkeit die Führung auszubauen (61.). Es sollte die letzte Aktion des 29-Jährigen gewesen sein, für ihn kam Firmino ins Spiel (72.). Die „Fab Three“ war wieder vereint. Auch Tuchel reagierte mit einem Doppeltausch (80.) und brachte Julian Draxler und Eric Maxim Choupo-Moting in die Partie.

Mbappé schlägt eiskalt zu

Wer die Chancen nicht nutzt … ihr kennt doch alle den ausgelutschten Spruch. Vorne machte Liverpool den Sack einfach nicht zu und hinten wurde der Vorjahresfinalist gnadenlos bestraft. Salah, der abermals blass blieb, wurde ein Fehlpass zum Verhängnis. Die Pille wurde von Draxler abgefangen und auf Neymar weitergeleitet, der wiederum im Spint Richtung Box maschierte. Er assistierte quer auf Mbappé – der Weltmeister musste praktisch nur noch einlochen: 2:2 (83).

Allez, Allez, Allez

Als alles auf ein bitteres Remis hindeutete, hatten nur die wenigsten den einäugigen Bobby auf dem Zettel. Die Hauptstädter wurden in der Nachspielzeit ihrer stümperhaften Abwehrleistung einmal mehr gerecht. Der Ex-Hoffenheimer bekam auf der halbrechten Seite das Spielgerät und ließ mit zwei Haken Marquinhos wie einen Schuljungen aussehen. Das Runde schlug unhaltbar im linken unteren Ecke ein. BOOM. 3:2 in der 91. Spielminute.

Es war vollbracht: Liverpool feierte in einer noch jungen Saison seinen ersten Heimsieg in der Königsklasse und eroberte in der Gruppe C die Tabellenführung. Crvena Zvezda gelang in Belgrad gegen Napoli eine faustdicke Überraschung – die Partie endete 0:0. Für Fußballlehrer Thomas Tuchel gab es gegen Klopp auch im elften Spiel keinen erfreulichen Ausgang.

Spielinfos

Tore
1:0 – Sturridge (30./Robertson)
2:0 – Milner (36./Elfmeter)
2:1 – Meunier (40.)
2:2 – Mbappé (83.)
3:2 – Firmino (90+1)

Karten
van Dijk (27./Gelb)
Meunier (45./Gelb)

Champions League – Gruppe C
1. Spieltag

Schiedsrichter
Cüneyt Cakir (Türkei)

Austragungsort
Anfield

Liverpool FC
Alisson – Alexander-Arnold, Gomez, van Dijk, Robertson – Henderson, Milner, Wijnaldum – Salah (85. Shaqiri), Mané (90. Fabinho), Sturridge (72. Firmino)

Ohne Einsatz: Mignolet, Matip, Moreno, Keita

Paris Saint-Germain
Areola – Meunier, Silva, Kimpembe, Bernat – Marquinhos, Rabiot, Di Maria (80. Choupo-Moting) – Mbappé, Neymar, Cavani (80. Draxler)

Ohne Einsatz: Cibois, Kehrer, N’Soki, Diarra, Nkunku

Red Fellas – Man of the Match
Georginio Wijnaldum

Nächstes Spiel
Southampton (H)
Premier League – 6. Spieltag
22. September – 16.00 Uhr