Ein Elfmeter und ein spätes Kontertor sorgen für die nächsten drei Punkte für den Liverpool FC.

Als dürften wir Liverpool-Fans nicht optimistisch genug in die neue Saison gehen, legten die Reds gleich zum Meisterschaftsstart noch eins drauf: 4:0 gegen West Ham mit einem blendend aufgelegten Keita, dem Sturmtrio in bewährter Form und Tempofußball, der Lust auf mehr macht. Wären da nicht Erinnerungen an Benteke, Sakho oder „Crystanbul“ aufgekommen, wenn man an den nächsten Gegner denkt, das Auswärtsspiel bei Crystal Palace hätte auch nur Vorfreude pur erzeugt. Seit Mai 2014 gab es aber in fünf Spielen vier Siege im Selhurst Park.

Für den ersten London-Trip der Saison musste sich Jürgen Klopp keine großen Kopfzerbrechen machen. Er startete natürlich mit der gleichen Elf wie zum Saisonauftakt. Alisson Becker stand im Tor wohl vor seiner ersten Bewährungsprobe. Virgil van Dijk teamte in der Innenverteidigung wieder mit Joe Gomez, Andy Robertson und Trent Alexander-Arnold wie gewohnt außen. James Milner, Gini Wijnaldum und Naby Keita behielten trotz Konkurrenz ihre Plätze im Mittelfeld und vorne sollten Mohamed Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané wieder für Wirbel sorgen.

Auch Roy Hodgson schickte die gleiche Elf auf den Platz, die am ersten Spieltag Aufsteiger Fulham 2:0 besiegte. Bis auf eine Position war es sogar dieselbe Formation, die im März Liverpool fast ein Unentschieden abtrotzte – bis fünf Minuten vor Schluss König Salah kam. Das Klopp-Team mit den starken Neuzugängen Alisson und Keita schien den nächsten Schritt gemacht zu haben, musste das nun aber im Flutlicht vom unbequemen Selhurst Park beweisen.

Liverpool tastet sich ran

Es dauert eine Zeit lang, bis sich beide Teams in dieser frühen Phase der Saison zurechtfinden. In der 21. Minute landete der Ball erstmals im Tor von Crystal Palace, weil Torwart Hennessey die Kugel fallen ließ – allerdings dank eines Fouls von Mané. Es war sowas wie der Startschuss in diese Partie: Gleich darauf zauberte Keita erstmals. Ein Fersler am eigenen Strafraum, ein langer Ball auf Salah, sein Lupfer geht knapp übers Tor.

Was gerade noch so riskant und elegant ausgesehen hatte, machte Keita gleich danach bei einem viel einfacheren Pass deutlich schlechter. Sein Ball landete bei Townsend, der den Ball mit Wucht an die Latte drehen konnte. Fast wäre Alisson überrascht worden. Dass man den 56-Millionen-Pfund-Tormann aber nicht so leicht beunruhigen kann, zeigte er bei der nächsten Ecke, die er wie im Training runterpflückte.

Umstrittener Elfmeter

Bis zur Pause gab es noch Chancen durch Keita auf der einen und Schlupp auf der anderen Seite. Es sah schon alles nach einer torlosen ersten Halbzeit aus, doch Schiedsrichter Michael Oliver schien was dagegen zu haben: Mohamed Salah im Zweikampf gegen Mamadou Sakho und der Ägypter ging zu Boden. Er beteuerte, dass er zu Fall gebracht worden war und keine Schwalbe begangen hatte – ja, ein Kontakt war deutlich zu sehen, aber ob der für einen Elfmeter reichte? Oliver sagte ja, James Milner war’s egal und der schoss Liverpool mit dem Pausenpfiff zum 1:0.

Gleich nach Wiederbeginn hätte Salah fast alle Unkenrufe von den Rängen verstummen lassen: Ein Pass von Robertson war nur etwas zu steil, so musste Salah den Ball noch im Spiel behalten und bediente Keita, der ihn nur knapp am Tor vorbei setzte. In den folgenden Minuten legte Palace mal eine Drangphase hin, das Beste was sie daraus produzierten kam aber aus einem Standard: Alisson fischte einen Freistoß von Milivojevic aus dem Eck. Eine weitere Chance bekam Zaha, ansonsten kamen die Reds mit den verhaltenen Eagles gut zurecht.

Vorentscheidung dank Platzverweis

15 Minuten vor Schluss wurde wieder Mo Salah am Weg zum Tor zu Fall gebracht, diesmal war die Entscheidung aber viel deutlicher: Aaron-Wan Bissaka traf den Ägypter am Fuß und musste mit Rot vom Platz, da er der letzte Verteidiger war. Salahs Freistoß hätte wohl gepasst, hätte nicht Tomkins seinen Eisenschädel dazwischen gehalten.

Für wirkliche Spannung konnte Palace in Unterzahl nicht mehr sorgen. Durch war das Ding aber erst in der 93. Minute: Mo Salah leitete den Konter ein, den Sadio Mané meisterhaft vollendete. Allen Verteidigern davongerennt, vorbei an Hennessey, rein ins leere Tor und das 2:0 zum Endstand.

Zweites Spiel, zweiter Sieg

Vielleicht nicht der schönste Sieg, aber was soll’s. Im Selhurst Park musst du erstmal drei Punkte machen, die Eagles haben gezeigt, dass sie hier noch viele Teams ärgern können. Liverpool zeigte aber seine Klasse und setzte sich mit Erfahrung und Qualität durch, der zweite Sieg im zweiten Spiel. Ein Arbeitssieg dank einer soliden Mannschaftsleistung.

Erwähnt sei noch Mohamed Salah, am Nachmittag noch in der Shortlist zu Europas Fußballer des Jahres nominiert, dann vom Publikum nach fälschlicherweise als Schwalbenschinder provoziert, ließ er sich von nichts beirren und zeigte wieder einige tolle Aktionen. Etwa beim mustergültigen Assist für Sadio Mané, der auch in der Nachspielzeit noch ordentlich Tempo in den Beinen hatte. Und natürlich, der beim entscheidenden Elfmeter ganz cool blieb – eh klar. Schon am Samstag geht’s für Liverpool weiter, dann wieder an der Anfield Road. Mit Brighton wartet ganz sicher wieder eine knifflige Aufgabe auf Jürgen und seine Reds.

Spielinfos

Tore
0:1 – Milner (45./Elfmeter)
0:2 – Mané (93./Salah)

Premier League
2. Spieltag

Schiedsrichter
Michael Oliver

Austragungsort
Selhurst Park

Crystal Palace FC
Hennessey – Wan-Bissaka, Sakho, Tomkins, van Aanholt – McArthur, Milivojevic – Townsend (79. Ward), Schlupp (83. Meyer) – Benteke (70. Sørloth), Zaha

Ohne Einsatz: Guaita, Kelly, Kouyate, Ayew

Liverpool FC
Alisson – Robertson, Gomez, van Dijk, Alexander-Arnold – Milner (67. Henderson), Wijnaldum, Keita (87. Lallana) – Mané, Firmino (94. Sturridge), Salah

Ohne Einsatz: Mignolet, Moreno, Matip, Shaqiri

Karten
van Aanholt (42./Gelb)
Alexander-Arnold (52./Gelb)
Wan-Bissaka (75./Rot)

Red Fellas-Man of the Match
Mohamed Salah

Nächstes Spiel
Brighton & Hove Albion (H)
Premier League – 3. Runde
25. August – 18.30 Uhr