Bleibt er oder geht er? Die Zukunft um Daniel Sturridge dürfte eine unerwartete Kehrtwende genommen haben.

Hand aufs Herz, wer hat nicht mit einem fixen Abgang von Sturridge im Sommer gerechnet? Nach der Verpflichtung von Mohamed Salah im vergagenen Jahr fiel der 28-Jährige noch weiter in der Hierarchie zurück. Mit dem Ägypter, Roberto Firmino und Sadio Mané war der Edeltechniker nur noch vierte/fünfte Wahl im Team von Jürgen Klopp.

Im vereinsinternen Interview liverpoolfc.com deutete er nun einen Verbleib an der Merseyside an. Auch die Reds wollen „Studge“ keine Freigabe erteilen, auch mit dem Risiko den Engländer in einem Jahr ablösefrei zu verlieren.

“Ich liebe es hier. Ich liebe die Jungs, die vertraute Umgebung und die Dynamik innerhalb der Truppe. Es fühlt sich an wie zuhause”, sagte Sturridge. “Für mich ist es jetzt wichtig, noch besser zu werden und dafür muss ich noch mehr an mir arbeiten.“

Position unwichtig

“Persönlich bevorzuge ich Freiräume in der Offensive. Aber natürlich ist es auch wichtig, den Gegner unter Druck zu setzen und dafür muss man auch tiefer spielen. So wie es der Trainer eben will. Auf welcher Position ich spiele ist sekundär. Wichtig ist, dass ich meine Einsatzminuten bekomme, um mich ans Limit zu pushen. Einsätze sind in der Saisonvorbereitung daher extrem wichtig.“

Nach einem aussichtlosen Kampf gegen Liverpools „Fab Three“, wurde Sturridge im Winter bis zum Saisonende an West Bromwich verliehen. Doch die Leihe verlief nicht nach Plan. Zum einem wurde Trainer Alan Pardew wegen fehlender Erfolge nach nur vier Monaten wieder entlassen, zum anderen verletzte sich der Angreifer im zweiten Spiel für WBA. Die „Baggies“ standen letztlich als erster Absteiger aus der Premier League fest.

Nach der Rückkehr aus dem Zentralwesten Englands war der Hunger des Nationalspielers groß. Sturridge will wieder ein wichtiger Teil des Champions-League-Finalisten werden, wie er im Interview betonte.

Neue Bromance an der Anfield Road: Daniel Sturridge und Naby Keita – Foto: Gavin Trafford

„Habe viel gerlent“

“Es war vor allem entscheidend meinen Kopf wieder freizubekommen und mich als Person weiterzuentwickeln. Manchmal müssen im Leben Dinge wieder zurechtgebogen werden“, fügte der ehemalige und kongeniale Sturmpartner von Luis Suárez hinzu.

„Jetzt freue ich mich wieder ein Teil der Mannschaft zu sein. In meiner Abwesenheit habe ich viel über mich gelernt. Wenn man die Komfortzone verlässt, lernt man außerdem auch viele neue Dinge kennen. Auch die Objektivität richtet sich. Wir wollen Titel gewinnen und erfolgreich sein, soviel steht fest.“

Sofern sich die Verantwortlichen endgültig für Sturridge entscheiden, werden Danny Ings (26) und Divock Origi (23) den Klub verlassen. Letzterer wirkte in den letzten Testspielen ohnehin wie ein Fremdkörper. Dominic Solanke spielt in der ganzen Entscheidungsfindung nur eine Nebenrolle. Möglicherweise schließt er sich nach Ryan Kent und Ovie Ejaria auch den Rangers auf Leihbasis an.

Youngster Rhian Brwester (18), der kürzlich einen langfristigen Vertrag bis 2023 unterschrieb, fällt mindestens noch bis Weihnachten aus. Zugegeben, Sturridge ist nicht mehr der Spieler der er einmal war, aber ein gesunder Sturridge besitzt unumstritten immer noch die größte Qualität aller Reservisten.

Kader macht Hoffnung

Außerdem sollten Kritiker nicht ausblenden, dass er in 87 Spielen 50 Tore für den Klub erzielte. Er ist immer noch torgefährlich wie einst Kenny Dalglish, Robbie Fowler oder Suárez. Zudem macht die Harmonie zwischen ihm und Naby Keita (23) auf dem Rasen Lust auf mehr. Zwischen beiden dürfte eine Art Telepathie entstanden sein.

Natürlich behalten Skeptiker Recht, wenn sie auf die Verletzungshistorie hinweisen. Seit seiner Ankauft im Janaur 2013 plagten den Offensivakteur mehr als 15 verschieidene Verletzungen. In 567 Tagen verpasste er 99 Pflichtspiele.

Sein wöchentliches Gehalt in Höhe von 150.000 Pfund (umgerechnet 169.000 Euro) wird dem selbstverständlich nicht gerecht. Dennoch besteht die Hoffnung  dass er mit alten und neuen Mitspielern einen zweiten Frühling erlebt; gleichzeitig aber auch seine allerletzte Chance.

Lob vom Boss

Warum alles für Strurridge spricht, zeigt auch das jüngste Interview von Klopp. “Sturridge kann ein entscheidender Faktor innerhalb der Mannschaft sein. Im Moment hat er eine sehr gute Phase und ich hoffe, dass das auch weiterhin so bleibt“, lobte der 51- Jährige seinen Spieler. „Ich spreche aktuell sehr viel mit ihm und frage ihn, ob er sich wohlfühlt.“

In der vergangenen Saison absolvierte der Champions-League-Sieger 20 Pflichtspiele und steuerte dabei drei Tore und drei Assists bei. Der aktuelle Vertrag von Sturridge läuft mit Ende der kommenden Saison aus. Sein Marktwert wird auf rund 15 Millionen Euro geschätzt.