Hunderte Liverpool-Fans, die planen zum Champions-League-Finale nach Kiew zu fliegen, sind aktuell gestrandet.

Liverpool bestreitet erstmals seit 2007 wieder ein Endspiel in der Königsklasse. Mit Real Madrid wartet am Samstagabend niemand geringerer als der amtierende Titelverteidiger. Doch dieses Spiel könnte für viele Reds vorab zum Desaster werden.

Im Vorfeld zeigte sich die ukrainische Hauptstadt von seiner hässlichen Seite: Für einfache Hotelzimmer mussten Fans beider Teams am Finalwochenende bis zu 4.000 Euro berappen. Manche Hotels agierten sogar noch skrupelloser und riefen Preise für 12.000 Euro pro Nacht auf.

Abzocke in Kiew: Ukrainischer LFC Supporters Club möchte Abhilfe schaffen

Angesichts dieser skandalösen Entwicklung gaben die Madrilenen auf Bedenken ihrer Fans über 1.000 Tickets an die UEFA zurück. Während dem europäischen Fußballverband mehr oder weniger die Hände gebunden waren, um diesem kriminellen Treiben ein Ende zu setzen, wurden Fans erneut abgewatscht.

World Choice Sports – ein Unternehmen, das Tickets und Pakete für weltweite Sportveranstaltungen organisiert – veröffentlichte am Donnerstagnachmittag eine Erklärung, in der bestätigt wird, dass insgesamt drei Flüge nach Kiew gestrichen wurden.

Sehr geehrte Kunden,

mit großem Bedauern mussten wir drei Flüge nach Kiew absagen. Aufgrund der vielen Flüge nach Kiew kann der Flughafen Boryspil keine weiteren Kapazitäten für weitere Flugzeuge freigeben. Wir haben in den letzten 48 Stunden extrem hart daran gearbeitet, um diese Probleme zu lösen.

Außerdem haben wir mit Liverpool, Polizei und der UEFA auf höchster Ebene versucht eine Lösung zu finden. Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um Landebahnen zu bekommen.

Flugnummern die betroffen und storniert wurden: 25. Mai ET8700, 27. Mai ET8701, 26. Mai ET8704, 27. Mai ET8705, 26. Mai ET8706, 27. Mai ET8707

Kritik von allen Seiten

Die Entscheidung, ein Endspiel in einer Stadt auszurichten, die offensichtlich nie auf den vorprogrammierten Ansturm gerüstet war, wird von Tag zu Tag immer grausamer.

UEFA-Präsident Aleksander Čeferin bedauerte die Lage und kritisierte die Zustände in Kiew scharf: „Ein Missbrauch und absolut unfair. Es ist wirklich unglaublich, wie sich die Hotelpreise entwickelt haben. Auch die Fluggesellschaften sollten keine Fantasiepreise aufrufen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um diese Missstände auszuschließen“, sagte der Slowene gegenüber dem Sportmagazin kicker.

Auch Liverpools Fan-Beauftragter Tony Barrett hatte nur wenig Verstädnis für die Ortauswahl. „Ich kann mich bei den Liverpool-Fans, die bei der Reiseplanung für Kiew einen Albtraum erleben – und ich benutzte absichtlich, nicht zufällig, das Wort Albtraum – nur entschuldigen“, so der frühere Journalist. „Was eine der schönsten Zeiten eures Lebens sein soll, ist momentan alles andere als das und das ist für mich unverzeihlich.”

„Die Entscheidung, ein Endspiel an einem so komplizierten und außergewöhnlich teurem Ort auszutragen, muss dringend von den Verantwortlichen erklärt werden. Das allein lässt vermuten, dass etwas im Fußball sehr kaputt ist, wenn die Seele des Spiels so behandelt wird.”

Verein will helfen

Vor wenigen Minuten gab der Liverpool Football Club in einem Statement bekannt, den rund 1.000 Fans helfen zu wollen. Es werde mit allen allen relevanten Interessengruppen in Großbritannien und der Ukraine zusammengearbeitet, um eine Lösung für die missliche Lage der Flüggäste zu finden. Der Klub werde sich bis zur letzten Minute bemühen, bis eben alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind.