In vier Tagen steigt für Liverpool das wichtigste Spiel des letzten Jahrzehnts. Mit Real Madrid wartet in Kiew niemand geringerer als der Titelverteidiger. Auch diesmal haben wir uns auf der Gegenseite umgehört.

REAL TOTAL ist das digitale Fachmagazin über den spanischen Rekordmeister im deutschsprachigen Raum. Das Portal gilt als Marktführer im Bereich Real-Madrid-Content und wird ebenso von Medien als kompetenter Ansprechpartner geschätzt. Mit Nils Kern haben wir uns zu einem Interview verabredet, der Chefredakteur stand uns Rede und Antwort.

Endspiel-Niederlage 1981 in Paris. Ist das Finale für die Madrilenen am Samstag eine Art Revanche oder ist das angesichts der jüngsten Erfolge in den letzten Jahren kein Thema mehr?

Ich kenne tatsächlich noch einige Fans die damals schon in Paris dabei waren und gesehen haben wie Cunningham und Santillana an Liverpool scheiterten, also durchaus Klub-Legenden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Real schon eine lange Leidenszeit hinter sich, wo man den Europapokal nicht gewinnen konnte. Erst 1998 war es wieder der Fall.

Viele Fans haben durchaus noch schlechte Erinnerungen an Liverpool, aber der Sieg war damals nicht unverdient. In den Medien wurde das Thema nicht groß behandelt, aber so gesehen könnte Liverpool wieder zur „La Bestia Roja“ werden. Allerdings ist das Finale ist lange her und die Karten wurden neu gemischt.

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Außerdem würde man sich freuen, wenn Madrid die Fußball-Hauptstadt bleibt; mal wieder.

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Klubs wie Real haben stets Druck, doch ist der Druck durch den Europa-League-Gewinn Atléticos nicht ins Unermessliche gestiegen? Die „Blancos“ sind praktisch Siegen verdammt, oder?

Zum Siegen ist Real eh immer verdammt (lacht). Vor allem, weil die Saison durch Liga und Pokal gelaufen ist. Real hat zwar drei kleine Titel geholt, aber die Champions League muss gewonnen werden. Außerdem würde sich die Umgebung freuen, wenn Madrid die Fußball-Hauptstadt bleibt; mal wieder. So würde es im August zum Supercup beider Teams kommen, sowas gab es auch noch nicht. Aber der Druck ist jetzt nicht wirklich größer geworden, egal ob Atlético gewinnt oder verliert.

Vier Endspiele in fünf Jahren sprechen eine deutliche „königliche“ Sprache, glaubst wird sich die Erfahrung wieder durchsetzen? Zumal Real keines ihrer vier Spiele in der CL-Ära verloren hat. Speziell Sergio Ramos bringt eine gewisse Final-Attitüde mit.

Die Erfahrung hat sich in den letzten KO-Runden bemerkbar gemacht. Dieses Jahr hat Real mit Paris, Juventus und Bayern gleich drei Meister geschlagen. Natürlich auch mit etwas Glück, aber die Erfahrung war ein wichtiger Faktor sowie die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Also das ist schon sehr wichtig und sicherlich ein Vorteil gegenüber den noch jungen Wilden von Klopp.

Madrid hat aber nicht nur Ramos, auch Modrić zum Beispiel weiß wie man ein Finale spielt. Das Team kann ohne große Aufregung gegen das Pressing von Liverpool ankommen und den Ball in Ruhe hin- und her verschieben. Ronaldo spürt den gleichen Druck wie immer, jener Druck, der ihn immer zu Bestleistungen anspornt. Die „Königlichen“ sind daher der schwerste Gegner für Liverpool in einem Finale. Eine eingespielte Mannschaft, die keine großartigen Neuzugänge zu vermelden hatte.

Ein tolles Konstrukt, was auch schon von Mourinho kontinuierlich aufgebaut wurde. Raphaël Varane wurde 2011 verpflichtet und ist jetzt unangefochtener Stammspieler. Auch Mateo Kovačić kann Modrić inzwischen fast 1:1 ersetzen. Nach vielen Jahren, wo immer ein Top-Star verpflichtet wurde beziehungsweise mit vielen Holländern die gefloppt sind, eine enorme Entwicklung. Der Erfolg gibt Zidane Recht, zumindest in Spitzenspielen.

Während sich Liverpool in der Vorwoche auf Marbella auf das Finale vorbereiten konnte, musste Real am Wochenende noch gegen Villarreal ran. Wie hat sich Real in der Vergangenheit auf ein Finale vorbereitet? Gegen die Bayern war die spielfreiere Woche offensichtlich kein Vorteil.

Die Statistiken sind da tatsächlich ausgeglichen. Die letzten Jahre hat Madrid vor dem Finale nichts Nennenswertes veranstaltet. Also kein Trainingslager oder dergleichen. Eher geht es darum, dass die Spieler noch zwei freie Tage bekommen und abschalten. Manche verreisen dann gerne nochmal mit der Familie, bevor der Fokus wieder Vollgas der Champions League gilt.

Im Training wird nur noch mit dem Ball trainiert. Die Spieler haben ihre Physis, da wird man keine Prozente noch großartig herauskitzeln. Es werden Flanken, Torabschlüsse und solche Dinge geübt. Zumal Trainingseinheiten in Valdebebas ohnehin hinter verschlossenen Türen stattfinden.

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