Misslungene Generalprobe: Liverpool patzt nach West Bromwich (2:2) in der Vorwoche erneut. Der Champions-League-Halbfinalist kam gegen den potenziellen Abstiegskandidaten Stoke City nicht über ein 0:0-Unentschieden hinaus. Dass Stoke auch im 54. Anlauf in Anfield nicht gewinnen konnte bleibt eine Randnotiz.

Pünktlich zum Mittagslunch schickte Jürgen Klopp eine interessante Elf auf den heiligen Rasen an der Anfield Road. Angesichts der Doppelbelastung und des inzwischen dünnen Kaders musste etwas rotiert werden. Aber es wurden keine großartigen Experimente getätigt.

Loris Karius behielt seinen Platz im Tor, für Simon Mingolet gibt es seit Januar weiterhin kein Vorbeikommen. In der Abwehr gingen Joe Gomez, Virgil van Dijk, Ragner Klavan und Alberto Moreno ins Rennen.

Jordan Henderson und Georginio Wijnaldum sollten im Mittelfeld starten, unterstützt wurde das Duo dabei von Trent Alexander-Arnold. Eine Premiere. Im Angriff fiel Sadio Mané (Wehwehchen) letztlich doch aus, seinen Platz erhielt Danny Ings. Die „Fab Two“ bestehend aus Roberto Firmino und Mohamed Salah sollten Liverpool abermals zum Schotter führen.

Die Wettquote auf neuerliche drei Punkte war ziemlich niedrig, nicht nur angesichts der Auswärtsschwäche der Potters. Kein anderes Team kassierte in der Premier League mehr Gegentore (65).

Stoke-Coach Paul Lambert musste auf Glen Johnson verzichten, während mit Joe Allen, Peter Crouch und Charlie Adam drei ehemalige Reds an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehrten.

Salah doch nur ein Mensch

Mit Anpfiff war zu erkennen, dass die Hausherren früh in Führung gehen wollten. Die erste Torannäherung gab es nach vier Minuten, als Firmino einen weiten Flankenwechsel mit der Brust annahm und die Kugel auf Alexander-Arnold weiterleitete. Eine weitere Hereingabe des Youngsters wurde jedoch geblockt.

Zwei Minuten später eine weitere Chance für Liverpool – und was für eine. Nach einer Balleroberung schickte Henderson Salah auf Reise. Der Goalgetter lief mit viel Tempo alleine auf Stokes Schlussmann Butland zu und versuchte es mit einem Heber – doch der Versuch ging am rechten Pfosten vorbei. Der Keeper wäre chancenlos gewesen. Ungewöhnlich für den Ägypter so ein Riesending liegen zu lassen.
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Gäste werden gefährlicher

Wie in unserem Vorspiel erwartet hatte Stoke nichts zu verlieren, die Gäste versteckten sich keineswegs und spielten munter mit. Dementsprechend ergaben es auf beiden Seiten Räume für die Akteure. Erst köpfelte Biram Diouf nach einer Flanke von Bauer ins Außennetz (19), ehe Alexander-Arnold nach einer Salah-Vorarbeit die Führung auf dem Fuß hatte. Das Eigengewächs hatte jedoch Probleme mit der Ballannahme und bekam das Leder nicht an Butland vorbeigespitzelt (21.).

In dieser Tonart ging es weiter, auch wenn Liverpool viel kombinierte und die besseren Gelegenheiten hatte: Die Potters waren nahezu „all in“. Eine neue Gelegenheit ergab sich aber für die Gastgeber. Eine Flanke von Firmino wird unzureichend geklärt und fällt direkt vor die Füße von Wijnaldum, der Niederländer (27.) zog sofort flach ab und verfehlte nur hauchdünn sein Ziel.

Ings zum Zweiten … fast

Nach und nach setzte sich aber die Dominanz Liverpools durch. Stoke wurde immer weiter in die eigene Hälfte gedrängt, doch der entscheidente Pass fehlte. Nicht so in der 42. Spielminute, als der Ball im Netz zappelte. Danny Ings ließ sich feiern, doch das Schiedsrichtergespann nahm den vermeintlichen Treffer zurück. Der Angreifer stand beim Abspiel von Firmino mit einem Bein leicht im Abseits. Zwischenzeitlich sorgte Henderson für eine Schrecksekunde. Der Kapitän ließ sich minutenlang behandeln, zum Glück nichts Ernstes. Mit einem torlosen Unentschieden ging es in die Halbzeitpause.
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Im zweiten Durchgang wurde zu Beginn kaum bis gar nicht Fußball gespielt. Zunächst musste Allen (47). auf dem Rasen behandelt werden, ehe Bruno Martins-Indi nur kurze Zeit später verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste.

Stoke zieht sich zurück

Was in der ersten Halbzeit teilweise noch ansehnlich war, gehörte spätestens nach 60. Minuten der Vergangenheit an. Stoke zog sich mit zwei 4er Ketten zurück, für die Reds gab es kaum noch ein Durchkommen. Also versuchte man es mit Distanzschüssen. Dort fehlte aber entweder die nötige Präzision oder ein Abwehrbein stand im Weg.

Klopp reagierte mit einem Doppeltausch und brachte mit Nathaniel Clyne und James Milner zwei frische Kräfte. Für Alexander-Arnold und Danny Ings ging der Arbeitstag frühzeitig zu Ende (65.). Die Ballbesitzstatistik untermauerte die einsetigie Partie: 80 Prozent Ballbesitz für den LFC. Das erlösende Tor fehlte aber weiterhin.

Elfmeter-Alarm

In der Schlussphase wurde es nochmal hitzig; Liverpool versuchte es mit der Brechstange. Nach einer Flanke von Wijnaldum bekommt Erik Pieters den Ball glasklar an die Hand. Eigentlich Elfmeter, doch der Unparteiische Andre Marriner entschied auf weiterspielen (87.). Unglaublich. Praktisch im Gegenzug wäre Stoke beinnahe der Lucky Punch gelungen. Shawcross kam nach einem Zuspiel von Diouf einen halben Schritt zu spät. Glück für Liverpool.

In der sechsminütigen Nachspielzeit änderte sich nichts am Spielgeschehen: Liverpool wollte, der Fast-Absteiger wollte mit einem Punkt den Kopf aus der Schlinge ziehen. Am Ende blieb es beim frustrierenden 0:0.

Durch das Remis macht es Liverpool unnötig spannend. Bei noch zwei verbleibenen Spielen gegen Chelsea und Brighton rangiert man zwar auf Platz drei, doch mit zwei Spielen weniger am Konto, können die Blues mit zwei Siegen bis auf drei Punkte an Liverpool (72 Punke) heranrücken. Am kommenden Sonntag (17:30 Uhr) kommt es an der Stamford Bridge zum direkten Showdown beider Teams. Angesichts des deutlich besseren Torverhältnisses wären die Reds selbst bei einer Niederlage immer noch vor Chelsea.

Spielinfos

Tore
Fehlanzeige

Karten
Crouch (36./Gelb)
Diouf (42./Gelb)
Van Dijk (88./Gelb)

Premier League
36. Spieltag

Schiedsrichter
Andre Marriner

Austragungsort
Anfield

Liverpool FC
Karius – Gomez, van Dijk, Klavan – Alexander-Arnold (65. Milner), Henderson, Wijnaldum, Moreno – Salah, Firmino, Ings (65. Clyne)

Ohne Einsatz: Mignolet, Lovren, Robertson, Woodburn, Solanke

Stoke City
Butland – Zouma, Shawcross, Martins-Indi (52. Sobhi) – Bauer, Allen, Badou, Pieters – Shaqiri, Diouf, Crouch (65. Fletcher)

Ohne Einsatz: Haugaard, Cameron, Adam, Ireland, Sobhi, Campbell

Red Fellas – Man of the Match
Roberto Firmino

Nächstes Spiel
AS Roma (A)
Champions League – Halbfinal-Rückspiel
2. Mai – 20:45 Uhr